Mutig laufende Julia Mayer auf Rang 10, Eva Wutti belegt Platz 45
2022 waren es die 10.000m, zwei Jahre später der Halbmarathon, bei ihrer dritten EM nahm Julia Mayer (DSG Wien) jetzt den Marathon unter die Beine. Auf der sehr hügeligen Rundstrecke mit insgesamt rund 700 Höhenmetern im Stadtzentrum von Birmingham nahm sie sich viel vor, die Vorbereitung war ganz auf die Gegebenheiten ausgerichtet gewesen. Die Entscheidung in diesem Marathon fiel schon nach wenigen Metern, als sich die Favoritin Alisa Vainio (FIN) gleich nach dem Start von der Konkurrenz absetzte und bis zum Ziel bei einer Siegerzeit von 2:22:26 Std fast fünf Minuten Vorsprung herauslief.
Dahinter ging es also nur mehr um Silber und Bronze, und in diesem Kampf war die Niederösterreicherin voll dabei. Zwar startete sie etwas verhalten und lag bei Kilometer 10 rund 30 Sekunden hinter dem Hauptfeld auf Rang 22, innerhalb einer der 5km-Runden schloss sie aber auf die große Gruppe auf und übernahm auf Rang 2 liegend sogar die Initiative. Einige ihrer Vorstöße verkleinerten die Hauptgruppe immer mehr, rund um Kilometer 30 musste die 33-Jährige dann aber selbst etwas nachlassen und verlor den Anschluss. Alleine auf Position 10 laufend hatte die ÖLV-Rekordhalterin die Medaillenpositionen noch lange im Blickfeld, konnte die rund 80-100m große Lücke aber nicht mehr schließen. Endrang 10 mit einer für die sehr schwierige Strecke sehr ansprechende Zeit von 2:28:23 Std ist aber für die Bad Fischauerin aller Ehren wert, sie hatte im Kampf um die Medaillen alles gegeben. Mit ihrer drittschnellsten Karrierezeit blieb Mayer nur 2:15min über ihrem Rekord, auf Bronze fehlten am Ende nur 50 Sekunden..
Julia Mayer: “Das war komplett cool. Ich dachte mir, ich mache mein Rennen, aber nach zwei Runden ist es mir etwas zu defensiv vorgekommen. Ich war dann schon ein wenig überrascht, so schnell zur Hauptgruppe aufschließen zu können. Dort wollte dann niemand Tempo machen, und so bin ich halt auf meinem Tempo geblieben und bin vorne gelaufen. Auf Position 2 zu laufen hat sicher viele verwirrt, auch meine Betreuer. Es war mir auch klar, dass diese Top-Stars noch einmal schneller werden, ich hab zwar versucht dran zu bleiben, es aber nicht ganz geschafft. Es ist alles sehr gut aufgegangen, ich bin sehr zufrieden. Die Zeit wundert mich selber, weil die Strecke war wie erwartet sehr schwer, es war am Ende muskulär am Limit. Aber ich habe es mir gut eingeteilt und konnte Richtung Ziel noch schnell laufen. Top-10 war mein Ziel und zwischendurch auf Platz 2 zu laufen war schon sehr geil.”
Als zweite Österreicherin in diesem Bewerb war Eva Wutti (Club RunAustria) dabei. Die ehemalige ÖLV-Rekordhalterin feierte in Birmingham ihr spätes EM-Debüt und war voll Vorfreude nach England gereist. Ihr Marathon auf der Strecke mit vielen bergauf und bergab Passagen war aber ein sehr einsamer, meistens war die 37-Jährige alleine unterwegs. Den ersten Halbmarathon absolvierte sie 1:20,51 Std, die zweite Hälfte war dann etwas langsamer, nach 2:47,29 Std beendet die Kärntnerin die 42,195km als 45. Größter Fan an der Strecke war für die Wolfsbergerin ihre Tochter, die sie zur EM begleitet hatte.
Eva Wutti: “Es war mit den Anstiegen schon sehr hart. Ich hatte auch in der Früh ein wenig Probleme mit dem Magen. Zu Beginn hatte ich noch eine Gruppe, die habe ich aber nach zwei Runden verloren, dann wurde es sehr einsam für mich. Dann ist es auch schwer ein Gefühl für die Geschwindigkeit zu entwickeln, weil es auch ein so unrhythmischer Kurs ist. Bei meiner ersten und wahrscheinlich auch einzigen Europameisterschaft wollte ich aber unbedingt ins Ziel kommen, weil auch mein gesamtes Umfeld soviel unternommen hat, dass ich hier starten konnte. Es ist nicht ganz die von mir selbst erwartete Leistung.”
Andreas Vojta bezwingt anspruchsvolle Marathonstrecke mit Bravour
Andreas Vojta (team2012.at) bestritt in Birmingham seine bereits achte Freiluft-EM, dazu war es nach 1.500m, 5.000m, 10.000m und Halbmarathon die bereits fünfte Disziplin in der er angetreten ist. Die Marathonstrecke bei der EM kam dem relativ großen und schweren Niederösterreicher nicht wirklich entgegen, umso höher ist seine Leistung und sein Ergebnis einzuschätzen. Der 37-Jährige begann kontrolliert und passierte die Halbmarathonmarke nach 1:08:06 Std auf Position 43 liegend. Dann begann der Team-Senior aber Platz um Platz gutzumachen, auf dem sehr schwierigen Kurs mit rund 700 Höhenmetern gelang ihm das seltene Kunststück eines “Negativ-Splits”. Er absolvierte die zweiten 21,1km in 1:07:28 Stfd und damit schneller als Hälfte eins. Mit insgesamt 2:15:34 Std fehlten dem Gerasdorfer auf dem starken 26.Platz nur knapp zwei Minuten auf seine PB, er war damit näher an seiner Bestleistung dran als die meisten Top-Läufer. Der Sieg ging an Vize-Weltmeister Amanal Petros (GER) in 2:09:11 Std, der sich damit erstmals zum Marathon-Europameister kürte.
Andreas Vojta: “Mit dem Top-30-Platz bin ich deutlich besser platziert als wenn man die persönlichen Bestleistungen her nimmt. Ich bin ja auch nur knapp an meiner PB dran, damit kann ich mehr als zufrieden sein. Die Zeit hätte ich mir im Vorfeld nicht einmal annähernd zugetraut. Ich habe meinen Plan sehr gut umgesetzt und konnte gegen Ende viele Läufer einsammeln. Von der Einteilung war das, gerade wenn man das Streckenprofil berücksichtigt, mein bester Marathon.
Die Bilanz vom Stv. ÖLV-Sportkoordinator Christian Taylor
“Es gibt immer Hochs und Tiefs, aber alle unsere Athleten wissen, dass sie jederzeit mit den besten in Europa mitfighten können. Das Wichtigste ist, dass alle an sich und ihre Fähigkeiten glauben, wenn sie zu einem Großereignis fahren. Du arbeitest im Vorfeld, wenn keiner zusieht, so hart, dann musst du es dort dann nur mehr rauslassen und umsetzen. Sie haben alle soviel vorher investiert und sie sind alle fähig mitzumischen, daran müssen sie glauben. Highlights waren sicher die fünf Top-10 Platzierungen und den Kampfgeist, den, alle gezeigt haben. Z.B. Verena Mayr, die ihren Siebenkampf einbandagiert unbedingt beenden wollte. Oder Julia Mayer, die jetzt weiß vorne mitlaufen zu können und in Richtung LA 2028 sehr gut unterwegs ist. Mit jeder Meisterschaft wächst unser Team, es qualifizieren sich immer mehr Athleten, damit steigen auch unsere Chancen auf mehr Top-Platzierungen. Wir sind erst am Beginn unseres Weges, es werden noch viele große Momente kommen.”
Alle Platzierungen der Österreicher bei dieser EM
- 5. Platz – Enzo Diessl (SU Leibnitz) – 110m Hürden – 13,44s (-0,3 / Finale) – 13,35s (-0,5 / Semifinale)
- 6. Platz – Endiorass Kingley (TGW Zehnkampf-Union) – Dreisprung – 16,57m (+3,3 / Finale) – 16,25m (+0,4 / Qualifikation)
- 9. Platz – 4x100m Staffel – Karin Strametz, Magdalena Lindner, Christania Williams, Isabel Posch – 43,37s
- 10. Platz – Julia Mayer (DSG Wien) – Marathon – 2:28:23 Std
- 10. Platz – Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ LA) – Diskuswurf – 63,80m (Finale) – 65,06m (Qualifikation)
- 11. Platz – Christania Williams (Union St. Pölten) – 100m – 11,21s (+0,9 / Semfinale)
- 14. Platz – Anja Dlauhy (ULC Riverside Mödling) – 400m Hürden – 55,22s (Semifinale) – 55,42s (Vorlauf)
- 14. Platz – Niklas Strohmayer-Dangl (LT Bgld Eisenstadt) – 400m Hürden – 49,20s (Semifinale) – 49,39s (Vorlauf)
- 17. Platz – Lisa Redlinger (TS Lustenau) – 5000m – 15:57,19 min (Finale)
- 19. Platz – Verena Mayr (Union Ebensee) – Siebenkampf – 5906 Punkte SB
- 21. Platz – Raphael Pallitsch (SVS Leichtathletik) – 1500m – 3:42,55 min (Vorlauf)
- 22. Platz – Theresia Mohr (TS Egg) – Halbmarathon Gehen – 1:40:59 h
- 22. Platz – Tobias Rattinger (LAC BMD Amateure Steyr) – 3000m Hindernis – 8:47,91 min (Vorlauf)
- 23. Platz – Susanne Gogl-Walli (TGW Zehnkampf-Union) – 400m – 52,29s (Semifinale) – 52,12s SB (Vorlauf)
- 23. Platz – Lena Pressler (Union St. Pölten) – 400m Hürden – 61,85s (Semifinale) – 54,97s (Vorlauf)
- 26. Platz – Magdalena Lindner (Union St. Pölten) – 100m – 11,32s (+1,8 / Vorlauf)
- 26. Platz – Andreas Vojta (team2012.at) – Marathon – 2:15:34 Std
- 27. Platz – Will Dibo (SKV Feuerwehr Wien) – Diskuswurf – 55,31m (Qualifikation)
- 29. Platz – Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) – 800m – 2:03,41 min (Vorlauf)
- 29. Platz – Karin Strametz (SU Leibnitz) – 100m Hürden – 13,10s (+0,6 / Vorlauf)
- 31. Platz – Isabel Posch (TS Lustenau) – 100m – 11,48s (+0,0 / Vorlauf)
- 34. Platz – Leo Köhldorfer (ULC Linz Oberbank) – 400m Hürden – 51,02s (Vorlauf)
- 35. Platz – Markus Fuchs (Union St. Pölten) – 100m – 10,76s (-2,8 / Vorlauf)
- 45. Platz – Eva Wutti (Club RunAustria) – Marathon – 2:47,29 Std
Die EM im Internet
Die EM im TV
ORF überträgt die EM täglich LIVE. Kommentatoren: Dietmar Wolff / Thomas König
| Tag | Datum | von | bis | Sender | Anmerkung |
| So | 16.08. | 20:30 | 23:00 | ORF Sport+ | LIVE |
(Stand vom 2.8., kurzfristige Änderungen möglich)
Alle Live-Übertragungen von ORF SPORT+ sind außerdem via ORF ON als Live-Stream zu sehen und danach on-demand abrufbar.
Ebenfalls LIVE überträgt EUROSPORT mit den Kommentatoren Sigi Heinrich und Markus Röhrig.
Text- und Bildquelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband | @amri.photo






