Bericht vom ÖLV Coaching Summit in Obertraun

Der Freitag-Abend stand ganz im Zeichen von Simon Ehammer. Der Schweizer Weltrekordhalter im Hallen-Siebenkampf und herausragende Weitspringer (PB: 8,51 m, Olympia-Vierter 2024) war mit Yves Zellweger angereist, der die Headcoaches-Funktion in seinem Trainerteam inne hat und auch sein Weitsprung-Spezialtrainer ist.

„Individualität ist matchentscheidend“

Ehammer und Zellweger hielten zuerst ein 90-minütiges Impulsreferat und standen dann nach dem Abendessen nochmals ausführlich für Fragen und Antworten von ÖLV-Moderator Philipp Unfried und aus dem Auditorium zur Verfügung. Beide gaben sehr viele und vor allem interessante Einblicke in die Entwicklung und das Training des heute 26-Jährigen, der als 13-Jähriger über den UBS-Kids-Cup zur Leichtathletik kam. Sie präsentierten sich als überaus offenes und sympathisches Duo.

Vom Renault Clio zum Formel-1-Auto

Mit den drei Wörtern „Freude, Athletik und Technik“ fassten sie ihre Trainingsphilosophie zusammen, unterstrichen aber, dass die Leichtathletik auf Weltniveau ein „knallhartes Business“ sei und dass Ehammer nach wie vor bei einem „Landverein“ trainiere, aber auf ein „sehr professionelles System“ bauen könne, bei dem sehr individuell gearbeitet wird, um die „Trainingszeit optimal zu nutzen“ und Athletik und Technik bestmöglich zu entwickeln. Die Freude am Tun dürfe aber nicht verloren gehen, unterstrichen beide im Co-Referat.

Um einen „pfupfigen“ Athleten (Anmerkung: einen explosiven Athleten) zu schaffen, setzt Ehammers Trainerteam auf auf viele eher kurze Trainingseinheiten (80-120 Minuten) im Wochenverlauf und wenige laktazide Belastungen. Die „Qualität im Training“ ist besonders wichtig, „keine Halbheiten“, wie betont wird.

Als Ehammer in das Sportleistungszentrum Appenzellerland in Teufen als junges Talent seine Karriere begann, „war ich ein Renault Clio, jetzt bin ich ein Formel-1-Auto. Teuer und brauche auch mehr Pflege“, beschreibt er sich selbst und unterstrich damit auch die Bedeutung von Regeneration in seiner Trainingsarbeit. Auch die Beweglichkeitstrainingseinheit, die er nach wie vor mit den deutliche jüngeren Sportschüler:innen gemeinsam jede Woche absolviert, ist ein Baustein seines Erfolgs.

Weitsprung oder Zehnkampf in LA 2028?

In Kürze wird sich das Team Ehammer entscheiden, ob er bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028 im Weitsprung oder im Zehnkampf nach Edelmetall greifen wird. Nach dieser Festlegung wird der wortgewandte PUMA- und Red-Bull-Athlet sich dann eineinhalb Jahre nur auf diese eine Disziplin konzentrieren. „Ich möchte Gold gewinnen“, unterstrich er mehrfach sein sportliches Ziel, um zu ergänzen, dass er sich natürlich über jede Olympiamedaille freuen würde. Mehrfach war an diesem Abend sein unbändiger Ehrgeiz Thema, der den Schweizer Modellathleten antreibt.

Es gäbe noch viel zu berichten, denn die Teilnehmer:innen waren gefesselt von den beiden und die Fragen aus dem Auditorium fanden am Freitag kein Ende. In wenigen Tagen werden registrierte User:innen beide Sessions auf leichtathletik.at – der Aus- und Fortbildungsplattform des ÖLV – on demand nachsehen können.

Der Samstag als Workshop-Tag

Alle Teilnehmer:innen am ÖLV Coaching Summit, die in ihren Vereinen, Landesverbänden oder für den ÖLV auf unterschiedlichen Leistungsniveaus bzw. Altersgruppen als Trainer:innen arbeiten, konnten am Samstag aus verschiedenen Workshops mit hochkarätigen Referent:innen wählen und zwei dreistündige Einheiten belegen. Die Arbeit in Kleingruppen war für alle sehr lohnend.

Dr. Antje Peuckert und Marc Philippe gaben bei ihrem Workshop mit dem Titel „Female Athlete“ Einblicke in die weibliche Physiologie und die Ableitungen auf den Trainingsprozess, sprachen auch über Leistungsfähigkeit und Gesundheit sowie die Kommunikation und die Trainer:innen-Athlet:innen-Beziehung.

Thomas Strobl leitete einen praxisorientierten Langhantel-Workshop, bei dem die Teilnehmer:innen eine Einführung die richtige Bewegungsausführung und methodische Anleitung von Kniebeugen, Deadlifts, Umsetzen und Reißen im leistungsorientierten Krafttraining erhielten.

„Krafttraining für Kinder“ stand im Mittelpunkt des praxisorientierten Workshops von Tamara Norz und Olivia Raffelsberger. Die beiden Tirolerinnen gaben dabei Einblicke in ihre erfolgreiche Nachwuchsarbeit in Innsbruck und beleuchteten das Krafttraining in der Altersgruppe U12-U16.

Die ehemalige Olympia- und WM-Teilnehmerin Jennifer Schuster-Wenth gestaltete ihre Lauf-Workshop in Theorie und Praxis. Ausdauertraining im Nachwuchs-Leistungssport stand bei ihr im Fokus. Nach einem einstündigen Theorieteil, wo die kritischen Wachstumsphasen und sehr viele grundlegende Dinge angesprochen wurden, ging es in die Sporthalle zum Praxisteil, wo Laufkoordination, Kräftigung und auch verschiedene, einfache Testübungen zur Erkennung von Dysbalancen vorgestellt wurden.

ÖLV-Sportwissenschafter Christoph Ranz gab in seinem Workshop Einblicke in das Neuroathletiktraining. Er vermittelte die theoretischen Hintergründe und berichtete aus der Trainingspraxis, wo er in der tagtäglichen Arbeit mit Weltklasse-Hürdensprinter Enzo Diessl sein Neuroathletikwissen erfolgreich einsetzt.

Videobeiträge zu den fünf Workshops werden ebenfalls demnächst auf der Plattform leichtathletik.at publiziert werden. Die nachfolgenden Fotos sollen weitere Impressionen der erfolgreichen Trainer:innen-Tagung geben:

 

Text- und Bildquelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband

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