Der ÖLV-Rekordhalter kann aktuell eine Saisonbestleistung von 67,00 m vorweisen: „Viel mehr hab‘ ich derzeit nicht im Tank. Aber das ist zu diesem frühen Zeitpunkt durchaus normal. Die richtige Wettkampfvorbereitung für die EM in Birmingham beginnt mit der zweiten Juni-Woche. Technisch läuft noch nicht alles rund, ich bringe – um es vereinfacht zu sagen – beim Abwurf noch nicht genügend Druck auf den Diskus. Da geht’s um Nuancen.“
Es ist eine altbekannte Diskus-Regel: Je mehr Wettkämpfe ein Athlet bestreitet, desto mehr leidet die Technik. „Ptuj war mein sechster Wettkampf innerhalb von knapp drei Wochen, die Bedingungen waren noch dazu sehr gewöhnungsbedürftig. Solche Tage gibt’s nun mal. Auch Ex-Weltmeister Kristjan Ceh hatte am Ende nur einen gültigen Versuch, mir erging’s nicht anders. Da muss man durch.“
Die wichtigste Erkenntnis der letzten Wochen lautet: „Letztes Jahr war für mich ein besonders turbulentes Jahr – mit der Geburt unserer Tochter Lola, dem Umzug nach Oberösterreich und auch dem Hausbau. Es fühlt sich gut an, dass ich jetzt wieder eine völlig normale Saisonvorbereitung hatte. Ich bin überzeugt, dass ich an einem guten Tag noch immer alle schlagen kann. Ich bin in Birmingham, wenn alles glatt geht, mit Sicherheit für eine Medaille gut. Und ja, ich möchte beweisen, dass ich auch als frischgebackener Papa das Zeug für Edelmetall habe.“
Kommenden Donnerstag tritt Weißhaidinger beim Liese-Prokop-Memorial in St. Pölten an: „Da weht meistens ein Rückenwind, der ist für uns Diskuswerfer nicht sehr förderlich. Mein Meetingrekord von 2021 – mit 67,76 m – sollte eigentlich nicht in Gefahr sein“, übt sich der Olympia-, WM- und EM-Medaillengewinner in Zurückhaltung.
Die großen Weiten sollen am 13. August, wenn im Alexander-Stadion von Birmingham die Diskus-EM-Finalentscheidung ansteht, passieren. „Wir tun alles dafür, dass ich wie schon in Rom konkurrenzfähig bin“, hofft der 34-jährige Oberösterreicher. „Lukas ist kein Teenager mehr, sondern +30. Er muss mit seinen Kräften haushalten. Wir arbeiten daran, dass er am Tag X richtig weit werfen kann. Ein Platz zwischen 5 und 10 interessiert uns nur bedingt.“
Kein großes Interesse hat Lukas Weißhaidinger an der Rekordjagd von Ramona. „Dort werfen alle vier bis sieben Meter weiter als bei LA-Meetings in Stadien. Ich habe mich zuletzt mit Olympiasieger Daniel Stahl unterhalten, der sieht es wie ich. Dort kann jeder weit werfen, das interessiert uns nicht. Wir wollen bei den großen Wettkämpfen abliefern.“ Birmingham bietet die nächste Gelegenheit dazu.
Text- und Bildquelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband | ÖOC Eichler






