Gino Vetter hat sich bei der Kunstturn-Europameisterschaft in Zagreb eines der begehrten Tickets für die Weltmeisterschaft im Oktober gesichert. Der Vorarlberger belegte nach einer konstanten Vorstellung an allen sechs Geräten im Mehrkampf mit 77.032 Punkten Rang 35. Mateo Fraisl feierte indes am Pauschenpferd nur fünf Monate nach seinem Oberschenkelbruch ein gelungenes Comeback. In der Teamwertung belegte Österreich bei den Titelkämpfen in Kroatiens Hauptstadt Rang 22.
“Grundsätzlich bin ich mit der Leistung meiner Jungs zufrieden. Sie haben sich gut durchgekämpft und ihren Job gemacht. Nun gilt es darauf aufzubauen und an unseren Schwächen zu arbeiten. Wir haben Arbeit vor uns und das ist gut so”, bilanzierte Nationaltrainer Michael Fussenegger. Nach einem ordentlichen Start in die Qualifikation verhinderten vor allem Fehler am Reck eine bessere Platzierung. Am Ende standen für Gino Vetter, Askhab Matiev, Vincent Lindpointner, Martin Miggitsch und Mateo Fraisl 225.863 Punkte zu Buche.
Vetter erreicht großes Ziel
Vetter, der vor allem am Sprung (13.700) und Boden (13.366) zu überzeugen wusste, zog nach seiner zweiten EM positiv Bilanz. “Ich habe meine sechs Geräte gut durchgeturnt und mich für die WM qualifiziert. Das war mein Ziel und das habe ich erreicht”, sagte der Vorarlberger. Ab nun liege der volle Fokus auf dem zweiten Saisonhöhepunkt des Jahres. Die WM steigt vom 17.-26. Oktober in Rotterdam.
Als zweitbester rot-weiß-roter Mehrkämpfer klassierte sich Matiev mit 73.799 Punkten auf Rang 60. “Nach einem Jahr Pause war die Europameisterschaft mein erst zweiter Wettkampf. Daher kann ich durchaus zufrieden sein”, so der 24-Jährige. Ein Sturz beim Abgang von den Ringen kostete Matiev eine bessere Platzierung und letztlich auch die WM. Diese verpasste der Wahl-Innsbrucker als 25. in der Rangliste jener, die sich nicht über das Team qualifiziert haben, um lediglich einen Platz.
Einen durchwachsenen Abend erlebte Lindpointner. Ein Sturz auf der vorletzten Bodenbahn und zwei nahezu identische Fehler am Reck führten zu Rang 75 (70.964). “Leider ist es nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich verlasse Zagreb mit gemischten Gefühlen, versuche aber dennoch vereinzelt positive Dinge mitzunehmen”, meinte Lindpointner. Miggitsch, der an fünf Geräten turnte, gelangen am Sprung (13.166) und Boden (12.900) solide Übungen, am Reck musste aber auch er nach einem Sturz deutliche Abzüge hinnehmen.
Comeback geglückt
Erfreulich aus rot-weiß roter Sicht war sicherlich das Comeback von Fraisl. Nur fünf Monate nach seinem in Stuttgart erlittenen Oberschenkelbruch kehrte der 20-Jährige am Pauschenpferd auf die internationale Wettkampfbühne zurück und erhielt 12.300 Punkte. „Ich war sehr froh, Teil des Teams zu sein und wieder bei einer Europameisterschaft zu turnen. Ich habe die Verletzung fast nicht gespürt. Der Abgang war zwar zäh, aber sonst bin ich zufrieden“, erklärte Fraisl.
Turnsport-Austria-Präsidentin Gabriela Jahn zog eine gemischte Bilanz: “Die Woche in Zagreb hat gezeigt, wo Österreich aktuell steht. Wir können international nur dann mitmischen, wenn alle gesund sind und am Tag X ihre Leistung abrufen. Das hat hier das eine oder andere Mal nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber wir wissen jetzt noch besser, woran wir arbeiten müssen, und ich bin überzeugt, dass wir gut aufgestellt sind. Vor allem bei der WM im Oktober ist sicher noch einiges mehr möglich.”
Ähnlich resümierte Sportdirektor Fabian Leimlehner: “Wir haben schon im Vorfeld gewusst, dass es aufgrund der Verletzungsausfälle schwierig werden würde. Alles in allem war es ein Wettkampf mit Höhen und Tiefen, wobei uns vor allem das Reck im Mannschaftsergebnis teuer zu stehen gekommen ist. Der heutige Wettkampf hat uns aber auch klar aufgezeigt, wo unsere Schwächen liegen und woran wir in den nächsten Monaten arbeiten müssen. Gleichzeitig gilt es, unsere Stärken noch stärker zu forcieren, denn wir haben Geräte, an denen wir international vorne mitmischen können.”
Text- und Bildquelle: Turnsport Austria






