Masters-WM: Andreas Berger erster Sprint-Weltmeister aus Österreich

Lediglich 13 Österreicher:innen fanden sich am Wettkampfort ein, Fiona Schmid (W50) und Marianne Maier (W80) zwar angemeldet, mussten kurzfristig absagen. Österreichs Masters-Ass Sabine Hofer (W65) hatte sich erst gar nicht angemeldet. Hammerwurf-Evergreen Gottfried Gassenbauer fiel aufgrund von mehreren Knochenbrüchen, die er Ende Juli erlitten hatte, ebenso aus. Vielen war die Reise einfach zu teuer.

Österreichs erste Sprint-Goldmedaille bei einer Masters-WM

Andreas Berger, vor Jahren zu den Masters gestoßen, hatte damals gemeint, „alles in Grund und Boden zu laufen“, wie Heinz Eidenberger berichtet: „Einige Jahre hatte es bedurft, bis Andi zum Masters-Weltmeister gereift ist.“ Seine Konkurrenz war zahlreich und stark: 37 Teilnehmer über 100 m und 35 über 200 m hatten gemeldet, das bedeutete, stets drei Runden bestreiten zu müssen (Vorlauf, Semifinale und Finale). Berger gewann beide Vor- und Semifinalläufe. Beim 100-m-Finale musste er sich nur dem an diesen Tag mit 12,03 s Weltrekord laufenden Briten John Wright geschlagen geben. Bergers starke Zeit: 12,57 s. Dabei hatte sich Berger in jeder Runde steigern können.

Beim 200-m-Bewerb schlug dann Bergers Stunde. Bereits bei den Vorkämpfen deutete er seine Möglichkeit an. Im Finale gaben Valery Zhumadilov (KAZ) und Berger alles. Auf der Zielgeraden war lang nicht klar, wer hier die Nase vorne haben würde. Sechs Hundertstel haben schließlich für den frisch gebackenen Masters-Weltmeister der M65-Klasse aus Österreich den Ausschlag gegeben. Marketing-Profi Berger weiß seinen Triumph zu nutzen, vor zwei Tagen berichtete sogar „Heute“ online über seinen Sieg in Daegu.

Drei Goldmedaillen für Wurf-Duo

Diskuswerferin Veronika Watzek (W40) wiederholte ihren Erfolg von vor zwei Jahren und setzte sich mit 48,57 m überlegen durch. Der Salzbuger Heimo Viertbauer (M80) war sowohl beim Hammer- als auch Gewichtswurf das Maß aller Dinge, nur beim Werferfünfkampf war Bronze sein Lohn (Kugel, Diskus und Speer gehören nicht zu seinen Schokoladendisziplinen).

Im Dreisprung der M70-Klasse freute sich der Linzer Helmuth Matzner erstmals über Edelmetall. Er gewann Silber mit 8,98 m.

Eva Fürlinger als Medaillensammlerin in der W80-Klasse

Gleich neun Medaillen durfte die Wienerin Eva Fürlinger mit nach Hause nehmen. Fünf Goldmedaillen, eine Silber- und drei Bronzemedaillen standen am Ende zu Buche. Leider war sie in vielen Bewerben alleine am Start, da die Felder in den älteren Altersklassen äußerst dünn besetzt waren. Bewerbe wie 2000 m Hindernis oder 200 m müssen eigentlich auf ihre Altersadäquatheit überprüft werden, denn den älteren Seniorinnen und Senioren sind zum Beispiel Sprünge vom Hindernis in den Wassergraben nicht mehr zuzumuten. Überklettern der Hindernisse und Durchwaten des Wassergrabens sind daher Standard bei diesen Bewerben.

Fürlinger nutzte die Gunst der Stunde in Daegu und stellte sich einem durchaus strapaziösen Programm von neun Bewerben verteilt auf mehrere Tage in ihrer Altersklasse, wobei sie auch den Siebenkampf bestritt und aus taktischen Gründen auf den 200-m- und 800-m-Lauf verzichtete. Kein Wunder bei der hohen Gesamtbelastung ihres Bewerbsprogramms, der weiten Anreise, der Zeitverschiebung und des anderen Klimas in Südkorea. Allerdings sorgte gerade ihr Taktieren und ihre Bewerbsauswahl vor Ort und bei den Beobachter:innen zu Hause für viel Gesprächsstoff.

„Wie hoch ist die sportliche Qualität bei solchen internationalen Masters-Meisterschaften eigentlich wirklich?“

„Diskutiert wurde vor allem über die Sinnhaftigkeit aller Disziplinen für die ältesten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Doch der Masters-Weltverband verschließt aufgrund der Gleichberechtigung seine Augen vor der Ästhetik und Sinnhaftigkeit“, wie ÖLV-Mastersreferent Heinz Eidenberger berichtet.

Der ÖLV bekam zahlreiche Zuschriften mit Kommentaren zu den Ergebnissen von Daegu, unter anderem von OÖLV-Mastersreferentin Silvia Anzinger, die sich nachdenklich äußert: „Wie hoch ist die sportliche Qualität bei solchen internationalen Masters-Meisterschaften eigentlich wirklich? Während an der Spitze oft absolute Fabelzeiten gelaufen werden, klafft dahinter manchmal eine große Lücke auf“, schreibt sie. „Die Teilnahme an einer Europa- oder Weltmeisterschaft sollte grundsätzlich mit einem gewissen sportlichen Anspruch verbunden sein. Gerade bei internationalen Meisterschaften sollte es unser gemeinsames Ziel sein, den Wert und die Bedeutung dieser Veranstaltungen zu erhalten und weiter zu stärken“, fügt Anzinger hinzu und schlägt folgendes vor: „Vielleicht wäre es deshalb sinnvoll, für die höheren Altersklassen, beispielsweise ab Altersklasse 75, über geeignete Leistungs- bzw. Teilnahme-Standards nachzudenken, wenn in einer Altersklasse nur sehr wenige Teilnehmer gemeldet sind.“

 

Text- und Bildquelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband | Heinz Eidenberger

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