Österreichs Turner greifen in Zagreb nach dem WM-Ticket

Die Turnfestspiele von Zagreb gehen weiter! Eine Woche nach den Frauen rücken von Mittwoch bis Sonntag (19. – 23. August) Europas beste Turner ins Rampenlicht. Mit Gino Vetter, Vincent Lindpointner, Martin Miggitsch, Askhab Matiev und Mateo Fraisl nimmt für Turnsport Austria ein fünfköpfiges Aufgebot die 37. Kunstturn-Europameisterschaft der Männer in Angriff. Für die wohl außergewöhnlichste Geschichte sorgt dabei Fraisl: Im März brach sich der 20-jährige Vorarlberger den Oberschenkel, nur fünf Monate später feiert er entgegen allen Erwartungen seine Rückkehr auf Europas größter Turnbühne.

Doch nicht nur Fraisls Comeback macht vor der EM Hoffnung. Vetter und Lindpointner nehmen als Mehrkämpfer Spitzenplätze und die WM-Qualifikation ins Visier, Miggitsch reist als Weltcup-Medaillengewinner mit reichlich Selbstvertrauen an und Matiev hat nach langer Pause zurück zu alter Stärke gefunden. „Wir fahren mit der Ambition nach Zagreb, am Tag X unsere beste Leistung abzurufen und uns so weit vorne wie möglich zu platzieren“, blickt Michael Fussenegger voraus. Bei seiner EM-Premiere als Nationaltrainer muss er allerdings auf Alfred Schwaiger und Paul Schmölzer verzichten, für die der erste Saisonhöhepunkt nach Knieverletzungen noch zu früh kommt.

Anders die Situation bei Fraisl: Dass der Vorarlberger überhaupt die Reise nach Zagreb antreten kann, grenzt an ein Wunder. Erst vor fünf Monaten brach er sich bei einem Wettkampf in Stuttgart den linken Oberschenkel, drei Operationen und eine langwierige Rehaphase folgten. Das Erfolgsrezept? Eine Kombination aus einem starken Team im Hintergrund, beinharter Arbeit und mentaler Stärke. „Am Anfang hatte ich brutalen Respekt, wieder zu turnen. Aber das hat sich rasch gelegt und ich habe schneller Fortschritte gemacht, als es mir prophezeit wurde.“

So kam es, dass Fraisl fünf Monate nach seinem „riesigen Rückschlag“ entgegen allen Prognosen im EM-Kader aufscheint. „Dass ich in Zagreb dabei sein kann, ist tatsächlich ein Wunder. Das hätte ich mir vor ein paar Monaten nie im Leben vorstellen können“, sagt Fraisl. Bei der EM wird der 20-Jährige ausschließlich am Pauschenpferd an den Start gehen, für die übrigen Geräte ist die Belastung auf das Bein noch zu groß. „Mein Ziel ist, meine Übung sauber durchzuturnen, damit ich dem Team helfen kann. Außerdem möchte ich wieder dieses ganz besondere Wettkampffeeling spüren.“

Mehrkämpfer jagen WM-Ticket

Eine zentrale Rolle im österreichischen Team kommt Gino Vetter und Vincent Lindpointner zu. Beide sind für den Mehrkampf gesetzt. Vetter präsentierte sich zuletzt beim Vier-Nationen-Länderkampf in guter Verfassung und fühlt sich auch unmittelbar vor der EM in seinen Übungen äußerst stabil. „Ich möchte vor allem einen guten, konstanten Mehrkampf turnen. Das Hauptziel ist die Qualifikation für die WM – entweder über das Team oder über den Mehrkampf“, so Vetter.

Auch Lindpointner reist mit einer klaren Mission nach Kroatien. Der 20-jährige Linzer, der 2024 mit Junioren-EM-Bronze an den Ringen seinen bisher größten internationalen Erfolg feierte, nimmt seine zweite Elite-EM in Angriff. Ein kleiner Rückschlag am Sprunggelenk vor rund sechs Wochen ist mittlerweile weitgehend überwunden. „Optimal wäre ein Platz unter den Top 30. Dafür muss ich an allen sechs Geräten konstant gute Leistungen bringen und ohne Sturz durchturnen. Die Konkurrenz schläft nicht“, sagt Lindpointner.

Mit Rückenwind nach Zagreb

Der Kärntner Miggitsch fiebert nach seinem WM-Debüt im vergangenen Oktober nun seiner Premiere auf kontinentaler Ebene entgegen. „Ich kann es kaum erwarten, meine erste Europameisterschaft zu turnen. Die letzten Trainingswochen sind richtig gut verlaufen, ich fühle mich perfekt vorbereitet“, sagt der 23-Jährige, der in der laufenden Saison in Varna erstmals auf das Weltcup-Podest turnte. In Zagreb erwartet Miggitsch wie schon bei der WM eine ganz spezielle Atmosphäre: „Wenn du plötzlich gegen Leute turnst, die du zuvor nur aus dem Fernsehen oder von YouTube gekannt hast, ist das schon surreal. Es wird richtig lässig.“

Für Matiev bedeutet Zagreb die Rückkehr auf die internationale Bühne. Im Vorjahr musste der 24-Jährige wegen anhaltender Schulterprobleme eine längere Pause einlegen, in den vergangenen Wochen und Monaten fand er Schritt für Schritt zurück zu alter Stärke. „Ich bin sehr froh, wieder bei der EM dabei zu sein. Die Pause war schon hart, nun bin ich aber mental und körperlich wieder fit“, verrät der bisher dreifache EM-Teilnehmer.

Die unmittelbare Vorbereitung absolvierte das Team gemeinsam in Wien. „Wir haben versucht, in den optimalen Rhythmus zu kommen und die Übungen weiter zu stabilisieren. Ich denke, wir sind bereit für Zagreb“, so Fussenegger. „Die Jungs sind fit und topmotiviert. Sie brennen jedenfalls schon darauf, dass es endlich losgeht.“

Junioren mit Top Ten als Ziel

Auch im Juniorenbereich schickt Turnsport Austria fünf Athleten ins Rennen. Samuel Wachter, Jeremy Balasz, Luca Hagen, Michael Miggitsch und Emil Pfurtscheller haben sich gemeinsam mit der Elite auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet. Hier formuliert Fussenegger die Erwartungen konkreter: „Unser Ziel sollte auf jeden Fall sein, uns mit dem Team in den Top Ten zu platzieren. Und gegen ein oder zwei Finalplätze hätten wir natürlich auch nichts.“

 

Text- und Bildquelle: Turnsport Austria

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