Der frischgebackene ÖTV-Präsident verrät im Interview, wo er die größten Herausforderungen für den ÖTV sieht.
Bei der ÖTV-Generalversammlung im Sporthotel Kurz in Oberpullendorf ist Richard Grasl am Sonntag mit seinem Präsidiumsteam (Stephanie Bonner, Klemens Eiter, Axel Melchior und Andreas Pilsl) einstimmig zum neuen ÖTV-Präsidenten bestimmt worden. Doch was hat der KURIER- und Mediaprint-Geschäftsführer in seiner dreijährigen Amtsperiode für den österreichischen Tennissport so geplant? Darüber sprach der Niederösterreicher im nachfolgenden, ausführlichen Interview.
Richard, herzliche Gratulation zur Wahl zum ÖTV-Präsidenten. Wie zufrieden bist du mit dem Votum und dem dahingehenden Vertrauensvorschuss?
Richard Grasl: Eine einstimmige Wahl ist natürlich eine enorme Unterstützung für das neue Präsidium. Man sieht, dass die Delegierten und Landesverbände hier geschlossen hinter uns stehen, unserem Konzept vertrauen. Andererseits ist es eine große Aufgabe, weil wir diese Erwartungshaltung jetzt auch erfüllen müssen. Das haben wir auch vor.
Was hat dich dazu veranlasst, das Amt des ÖTV-Präsidenten anzustreben?
Es gibt immer mehrere Gründe. Einerseits ist Tennis eine ganz große Leidenschaft von mir, und ich habe jetzt auch durch meinen Sohn gesehen, wie er sich die letzten sechs, sieben Jahre durch das Jugendtennis bewegt hat und was es da für Möglichkeiten gibt, die Rahmenbedingungen für junge Spieler:innen zu verbessern. Andererseits gab es den einen oder anderen Landespräsidenten, der auf mich zugekommen ist und mich gefragt hat, ob ich mir das vorstellen kann. Und nach kurzem Nachdenken habe ich „Ja“ gesagt.
Wie leicht oder schwer ist diese Position zeitlich mit deinen Tätigkeiten als KURIER- und Mediaprint-Geschäftsführer zu vereinen?
Dass diese darunter nicht leiden, habe ich meinen Aufsichtsräten und Gesellschaftern versprochen. (Lächelt) Das heißt: Es wird sehr stark in meiner Freizeit stattfinden oder die Arbeit zu anderen Zeiten erledigt. Aber eine Tätigkeit, die so viel Freude bereitet wie für den Tennissport zu arbeiten, da denkt man über die Zeit nicht nach.
Wie steht es um deine eigenen Tenniskünste?
Ich habe in Krems mit sechs, sieben Jahren begonnen, es auf Jugendstaatsliga- und Landesligalevel geschafft, nationale Turniere gespielt. Ich habe während des Studiums aufgehört und mit 45 wieder begonnen, als man mich in meinem Verein, KTK Krems, für ein Doppel gebraucht hat, weil sich ein Spieler im Einzel verletzt hat. Dann hat es mir wieder so großen Spaß gemacht, sodass ich mittlerweile in der Meisterschaft immer am Samstag 45+ und Sonntag Allgemeine Klasse spiele. Alles nur auf gutem Hobbyniveau.
Wie ist dein Eindruck vom Status quo des Österreichischen Tennisverbands, wie du ihn mit deinem Präsidiumsteam übernimmst?
Ich finde, wir sind finanziell sehr gut aufgestellt. Dennoch geht es darum, die Finanzlage weiter zu verbessern. Wir brauchen noch mehr Unterstützung für den Tennissport, es ist immerhin der zweitgrößte Sportverband im Lande nach Fußball. Das muss uns gelingen! Im Sportlichen gibt es sicherlich auch noch Luft nach oben, was die einzelnen Rankings betrifft, aber ich denke, dass mit Lilli Tagger, Joel Schwärzler und im Nachwuchsbereich gerade mit Thilo Behrmann und Anna Pircher die Talente-Pipeline jetzt wieder ganz gut gefüllt ist.
Was sind die wichtigsten Ziele, die du dir gemeinsam mit deinem Präsidiumsteam für eure Funktionsperiode gesteckt hast? Gibt es bestimmte Leuchtturmprojekte, die ihr euch für die Zukunft vorgenommen habt?
Es gibt kein einzelnes großes Projekt. Wir wollen natürlich primär die Strukturen unserer Ausbildungsmöglichkeiten für junge Spieler:innen prüfen und schauen, wo man für diese das Bestmögliche machen kann, in Zusammenarbeit mit unseren Landesverbänden. Das große Ziel muss aber sein, dass insgesamt die Zahl jener Menschen, die Tennis spielen, insbesondere der Kinder, wieder steigt. Wir müssen jetzt die Rahmenbedingungen dafür schaffen und auch jene für Spieler:innen auf dem Weg nach oben verbessern, um wieder mehr Spieler:innen an die Spitze zu bringen.
Wozu es sicher auch ein bisschen Glück braucht, oder?
Ja, da gibt es keinen Schalter zum Umlegen, mit dem alles kurzfristig gleich zum Erfolg führt. Gerade in einer Sportart wie Tennis dauert es 15 Jahre, 20 Jahre, bis ein Spieler auf seinem Zenit ist. Man kann hier also nur Grundsteine jetzt legen. Das Wichtigste ist: Wir wollen ein moderner, zielgerichteter, attraktiver Verband im Tennissport werden, mit guter Struktur und auch den besten Ausbildungsmöglichkeiten für junge Spieler:innen.
Wie eng soll die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden aussehen?
Ganz offen und lösungsorientiert. Ich glaube, dass man durch gute, offene und ehrliche Kommunikation, viel miteinander reden und ein Abgleichen der Ziele viel beitragen kann, dass diese Zusammenarbeit gut läuft. Die Bundesländer profitieren davon, wenn es ein gutes bundesweites Präsidium gibt und es gut läuft. Und wir können in Wirklichkeit auch nur gut arbeiten, wenn die Landesverbände mit uns an einem Strang ziehen. Das muss wirklich wie ein Uhrwerk ineinandergreifen. Die Leidenschaft fürs Tennis haben wir ja alle gemeinsam.
Worin erwartest du im ÖTV die größten Herausforderungen?
Sicher im finanziellen Bereich, weil man nur mit entsprechenden finanziellen Mitteln die Rahmenbedingungen auch deutlich verbessern kann. Wir wissen: Es ist eine schwierige Wirtschaftslage, die Sponsorengelder sitzen bei den Firmen nicht locker, im Augenblick auch nicht die öffentliche Hand. Man muss sparen, hat das auch im Sport schon getan. Das heißt: Da wird uns sicher etwas einfallen müssen, dass wir hier eine gute finanzielle Ausgangsbasis haben. Aber da bin ich nach einigen Gesprächen auch schon guter Dinge, dass wir vielleicht noch den einen oder anderen Sponsor an Land ziehen können.
Wie siehst du Österreichs Tennissport im internationalen Vergleich dastehen?
Das ist schwierig zu sagen, weil es da ein sehr breites Themenspektrum gibt. Aber wenn ich es mir so anschaue, dann denke ich, dass Italien im Augenblick ein echtes Rolemodel wäre, wo reihenweise gute Spielerinnen und Spieler herauskommen. Dazu kommen eine kompakte Turnierlandschaft und tolle Ausbildungsmöglichkeiten. Man muss auch ehrlich sagen, dass es uns bei Lilli Tagger ja sehr freut, dass sie eine gute, junge Österreicherin ist, aber sie trainiert auch in Italien und ist dort jetzt groß geworden. Da darf man sich nicht mit fremden Federn schmücken.
Wo siehst du da bei uns in Österreich konkrete Verbesserungsmöglichkeiten?
Ich glaube, wir brauchen sowohl eine wirklich gute Struktur an Turnieren als auch an Ausbildungsmöglichkeiten – aber nicht nur, was Tennis betrifft, sondern etwa auch in der mentalen Entwicklung, mit KI-Tools sowie VR-Brillen. Da tut sich derzeit extrem viel. Und genauso im konditionellen Bereich, wo Jürgen Melzer (ÖTV-Sportdirektor und -Davis-Cup-Kapitän; Anmerkung) mit Philipp Wessely einen sehr guten Konditionstrainer ins ÖTV-Leistungszentrum Südstadt geholt und damit schon einen ersten Schritt gemacht hat. Es geht nicht bloß um Schlagtechnik, sondern um körperliche und mentale Fitness, auch um die Vermeidung von Verletzungen und darum, dass man wirklich ein Top-Umfeld für die besten Spieler:innen schafft.
Welche sportlichen Events stehen für dich in deiner Anfangszeit an oberster Stelle?
Jetzt erst mal die win2day Open – Die Tennis-Staatsmeisterschaften als erster großer Höhepunkt Ende Juni, Anfang Juli. Davor natürlich der ATP-Challenger in Mauthausen, danach der Kitzbühel-Doppelpack, heuer mit Damen und Herren, das ITF-Damenturnier in Amstetten und so weiter.
Und dann wartet noch ein besonders heißer Tennisherbst. Insbesondere mit dem Davis Cup, wo das KURIER Austria Davis Team im September in einem Heimspiel gegen Belgien darum kämpft, sich sensationell zum zweiten Mal in Folge für die Davis Cup Final 8 der acht stärksten Nationen der Welt zu qualifizieren. Was erwartet den österreichischen Tennisfan dabei für ein Spektakel?
Wir haben da schon so einiges vor, und ich glaube, dass daraus ein richtiges Tennisfest werden kann. Vor allem wenn es unseren Herren gelingen sollte, Belgien zu schlagen – dann kann das in diesem Jahr noch zu einem echten sportlichen Meilenstein werden. Ich denke, das wird ein wirklich geiles Spiel. Belgien ist im Moment sehr stark, mit drei Mann unter den Top 75 der Welt. Aber ich glaube, dass es durchaus eine Chance gibt. Man hat es im Vorjahr in Ungarn gesehen; die waren von den ATP-Rankings auch deutlich besser als die Österreicher, und dennoch haben sie gegen uns verloren. Und vor allem vor einem frenetischen Heimpublikum werden sich unsere Spieler ganz besonders ins Zeug legen – es wäre nicht das erste Mal, dass sie im Davis Cup über sich hinauswachsen. Vielleicht geht sich die Überraschung aus. Und dann schauen wir uns das Finalturnier in Bologna wieder an.
Text- und Bildquelle: Österreichischer Tennisverband





