Zwischen Jubel und Enttäuschung: Mörz verpasst WM-Finale, feiert aber Bestleistung

Erst ein Sprung der Extraklasse, dann ein Dämpfer: Charlize Mörz hat bei der Kunstturn-Weltmeisterschaft in Rotterdam den Einzug in ihr zweites WM-Finale verpasst. Auf ihrem Paradegerät gelang der Burgenländerin zunächst der beste Sprung ihrer internationalen Karriere, doch ein Fehler im zweiten Versuch ließ den Traum vom erneuten Finaleinzug früh platzen. Am Ende standen für die 21-Jährige 13.400 Punkte und Rang 15 zu Buche.

Im Mehrkampf durfte sich Mörz hingegen über einen Meilenstein freuen: Erstmals durchbrach sie auf internationaler Bühne die 50-Punkte-Marke und klassierte sich auf Platz 49. Leni Bohle belegte in der Montag spätabends zu Ende gegangenen Qualifikation der Frauen mit 47.965 Punkten Rang 76.
Für ihren ersten Sprung wurde Mörz mit 13.800 Punkten und begeistertem Applaus der Zuschauer*innen in der Ahoy Arena belohnt. „Das war ein Bombensprung, so viele Punkte habe ich noch nie erhalten“, sagte die EM-Sechste von Zagreb. Der zweite Sprung brachte, weil die Beine in der Flugphase für kurze Zeit angewinkelt anstatt gestreckt waren, lediglich 12.600 Punkte. „Es ist richtig schade, das ärgert mich brutal. Ich weiß nicht genau, warum ich angehockt habe“, rätselte Mörz. Nach Rang sieben bei der WM 2025 in Jakarta blieb ihr das erhoffte zweite WM-Sprungfinale verwehrt. Auf die achtplatzierte Victoria Mata aus Mexiko fehlten am Ende etwas mehr als 0.4 Punkte.

50er-Marke geknackt

Erfreulicher fiel die Bilanz im Mehrkampf aus. Mit 50.166 Punkten übertraf Mörz erstmals bei einem internationalen Großereignis die 50-Punkte-Marke – und das trotz zweier Stürze. „Das freut mich irrsinnig. Es ist eine richtige Verbesserung, auch im Vergleich zur EM“, erklärte die 21-Jährige, die insbesondere am Stufenbarren und Schwebebalken deutliche Fortschritte ortete.
Am Boden verhinderte ein Sturz auf der dritten Bahn ein noch besseres Ergebnis. „Die Übung war bis dahin richtig gut. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit meinem Mehrkampf heute.“ Ihre fünfte Weltmeisterschaft lieferte Mörz „wertvolle Erkenntnisse“ für die im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Los Angeles richtungsweisende Saison 2027.
Mehrkampf-Spezialistin Bohle hatte sich bei ihrer dritten Weltmeisterschaft mehr erhofft: „Insgesamt war der Wettkampf okay, natürlich hätte es besser laufen können.“ Der Arbeitstag der Vorarlbergerin begann mit einem Sturz beim Abgang vom Stufenbarren sowie einem Fehler am Balken denkbar ungünstig. Mit Fortdauer konnte sich die 19-Jährige steigern und fand am Sprung „einen gelungenen Abschluss“.
Positiv beurteilte Bohle ihren Umgang mit den anfänglichen Fehlern, die sie relativ gut weggesteckt habe. „Ich weiß, was ich am Boden und am Sprung kann. Deswegen ist es mir nach dem bescheidenen Start gut gelungen, mich wieder auf die nächsten Geräte zu konzentrieren.“

Durchwachsene WM-Bilanz

Sportdirektor Fabian Leimlehner zog ein differenziertes Fazit: „Natürlich ist es schade, die Finalplätze sind heute in Reichweite gewesen. Alles in allem war es für Charlize eine Steigerung. Die 50-Punkte-Marke ist jetzt auch international erreicht. Das ist ein großer Meilenstein. Die WM hat uns zudem wertvolle Rückmeldungen geliefert, damit wir bis 2027 noch den Feinschliff vornehmen, die eine oder andere Veränderung umsetzen und uns in Ruhe um den neuen Sprung kümmern können. Alles in allem sind wir gut unterwegs Richtung LA28.“

Präsidentin Gabriela Jahn ordnete das WM-Abschneiden wie folgt ein: „Charlize hat vor allem mit ihrem ersten Sprung erneut gezeigt, dass sie an diesem Gerät zur Weltspitze gehört. Der zweite Versuch tut in diesem Fall aber sehr weh. Positiv sind die mehr als 50 Punkte im Mehrkampf und die weitere Erfahrung, die sie gesammelt hat. Auch Leni Bohle hat wertvolle Erfahrungen gesammelt, ihr Ziel aber leider verfehlt. In Summe haben wir uns bei dieser WM mehr erhofft. Jetzt gilt es, das Positive mitzunehmen, gemeinsam mit den Trainerinnen und Trainern und dem Sportdirektor die Ergebnisse zu analysieren und an jenen Schrauben zu drehen, die noch bessere Ergebnisse ermöglichen.“

 

Text- und Bildquelle: Turnsport Austria

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