Per se ist Trailrunning ein Einzelsport – doch bei den Off-Road Europameisterschaften am kommenden Wochenende in Kamnik in Slowenien gewinnt die Teamleistung an Bedeutung. Manuel und Hans-Peter Innerhofer sowie Johannes Nussbaumer und Maximilian Meusburger bilden das starke ÖLV-Quartett im abschließenden Up & Down Mountain Race am Sonntagmittag. In der Konstellation Innerhofer-Zwillinge und Nussbaumer hat das österreichische Team bei den Berglauf- und Trailrunning Weltmeisterschaften im vergangenen September in den Pyrenäen Rang sechs in der Nationenwertung erreicht – als drittbestes europäisches Team.
Voller Fokus auf den Up & Down Bewerb
Michael Geisler, der als Trailrunning-Referent des ÖLV die Delegation in Kamnik gemeinsam mit Berglauf-Referent Helmut Schmuck anführt, schätzt die Chance auf einen Medaillengewinn als realistisch ein: „Das Team ist sehr fokussiert und hat uns bei den Sichtungswettkämpfen mit starken Leistungen überzeugt. Wenn drei aus unserem Team 100% ihres Potenzials und ihrer Form abrufen können, sind wir im Spiel.“ Manuel Innerhofer, vor vier Jahren auf den Kanarischen Inseln EM-Vierter im Up & Down, pflichtet ihm bei, weiß aber: „Wir haben nur einen Chance, wenn wir drei Top-Einzelleistungen bringen. Die Konkurrenz ist stark, es sind einige Teams dabei, bei denen drei Leute prinzipiell gut drauf sind.“
Der Up & Down Bewerb entspricht eher den Stärken der Innerhofer-Zwillinge und Nussbaumer. Die Strecke mit Start und Ziel im Zentrum der Kleinstadt Kamnik ist 13,1 Kilometer lang und sieht 970 zu bewältigende Höhenmeter im Anstieg und Gefälle vor. Um der Ambition eines möglichst guten Abschneidens Nachdruck zu verleihen, verzichtet das Trio im Gegensatz zur Vergangenheit auf das Uphill Mountain Race zwei Tage vorher. „Andere Teams bringen auch frische Athleten an den Start“, gibt Hans-Peter Innerhofer zu bedenken. „In der Vergangenheit haben wir schon oft die Vorbelastung aus dem Uphill im Up & Down gespürt. Das kleine Plus an mehr Frische könnte einen Unterschied machen.“
Selbstvertrauen aus gutem Saisonauftakt
Manuel Innerhofer ist der Erfahrenste im ÖLV-Team und hat bereits mehrfach bei Europa- und Weltmeisterschaften überzeugende Einzelleistungen gebracht. Er fühlt sich bereit für die Herausforderung: „Bei meinen bisherigen Wettkämpfen beim Innsbruck Alpine Trailrun Festival und beim Schafberglauf habe ich mich überraschend gut gefühlt.“
Sowohl beim IATF in der Tiroler Landeshauptstadt als auch bei den Staatsmeisterschaften in St. Wolfgang war er der beste Österreicher. „An einem guten Tag ist ein Top-Ten-Platz gegen diese starken Kontrahenten möglich“, erwartet der 30-Jährige ein gutes Rennen. „Aber mir ist bewusst, dass ich bei einem nicht so tollen Tag auch mal schnell nur 30. sein kann.“
Frisch gebackener Trailrunning-Instruktor
Hans-Peter Innerhofer ist mit der EM-Vorbereitung ebenfalls zufrieden. „Wir haben unseren vollen Fokus auf die EM gelegt – alles andere hat danach noch Zeit. Wir haben gezielt auf Schnelligkeit im Training gesetzt und geübt, schnell loszulaufen und das Laktat unter Belastung zu kontrollieren.“ Das sei von der Renngestaltung bei der EM zu erwarten. Ein schnelles Anlaufen mit etwas Risiko passe gut zum Naturell der beiden Brüder.
Im Frühling schnürte Hans-Peter abseits seines Berufs nicht nur die Laufschuhe, sondern drückte bei der Trailrunning-Instruktor-Ausbildung auch die Schulbank. Zwei Wochen Urlaub opferte er für die anspruchsvollen Lehrgänge und eine erfolgreiche Prüfung: „Es war anstrengend, aber inhaltlich habe ich viel gelernt.“
Doppelstart für Meusburger
Neben den Zwillingen aus dem Pinzgau zeigte sich auch Johannes Nussbaumer in diesem Frühling in guter Form. Beim Skyrace Naturns im Rahmen des Ötzi Trailruns in Südtirol kam der aus dem Salzkammergut stammende und in Innsbruck lebende Oberösterreicher knapp hinter Hans-Peter Innerhofer ins Ziel, beim Elitebewerb des IATF und bei den Staatsmeisterschaften im Berglauf am Schafberg platzierte er sich jeweils hinter Manuel, aber vor dessen Bruder. Das ÖLV-Quartett wird komplettiert vom jungen Vorarlberger Maximilian Meusburger, der als einziger der Vier auch am Freitag im Uphill Mountain Race am Start ist.
Das Uphill-Team ergänzen der Osttiroler Josef Bodner (U. Raika Lienz), der Anfang April das Skyrace Naturns vor dem Deutschen David Reichl sowie seinen Landsleuten Meusburger, Innerhofer und Nussbaumer gewonnen hat, Markus Bretterklieber (Running Team Lannach) und Mathias Gwechenberger (TRI RUN KUCHL). Auf dem Programm stehen 1.275 Höhenmeter im Anstieg auf einer knapp neun Kilometer langen Strecke. Felix Bleier (EXCITINGFIT-RUNNINGTEAM) vertritt Österreich als Einzelkämpfer im gut 52 Kilometer langen Trail Race am Samstag.
Trio in den Frauen-Bewerben
In Abwesenheit der vierfachen Europameisterin Andrea Mayr, die trotz überzeugenden Staatsmeistertitels Mitte Mai aufgrund einer hartnäckigen Verletzung im Winter Trainingsrückstand aufweist, absolviert das Duo Amelie Muss (LCAV Jodl Packaging) und Isabell Speer (LAC Salzburg) sowohl den Uphill als auch den Up & Down Bewerb. Die erfahrene Salzburgerin Speer gewann bei den Staatsmeisterschaften Silber, die junge Oberösterreicherin Muss Bronze.
Anna Plattner (LG Decker Itter) gehört als WM-Fünfte 2025 zum Kreis der Besten im Trail Race am Samstag. Die 32-jährige Tirolerin befindet sich in einem Wettlauf gegen die Zeit, um nach einer leichten, aber hartnäckigen Verletzung fit an der EM-Startlinie stehen zu können. Sie reist gemeinsam mit dem Team am heutigen Mittwoch nach Slowenien und ist auch für den Up & Down Bewerb nominiert.
Dass die Läuferinnen in der ÖLV-Delegation für diese Titelkämpfe in der Unterzahl sind, ist Michael Geisler durchaus ein Dorn im Auge. „Wir sind seit Jahren verzweifelt auf der Suche nach Berg- und Trailläuferinnen, die international konkurrenzfähig sind. Wir setzen bewusst einen Schwerpunkt im Aufbau junger Talente und wollen in einigen Jahren annähernd Geschlechterparität haben.“
Erste internationale Erfahrungen für Talente
Stark vertreten sind in Kamnik die Junioren, allerdings ausschließlich Burschen. Hier haben sich die Bewerbe des Trail Youngster Cups bezahlt gemacht. Nach mehreren guten Leistungen auch bei den Österreichischen Meisterschaften haben es Ben Balik (ProTeam Vienna, Jahrgang 2008), Christoph Müller (PSV Leoben) und Matteo Ragonese (KLC, jeweils Jahrgang 2009) zur Nominierung für das U20 Uphill Mountain Race geschafft.
Im U20 Up & Down Mountain Race gehen neben Balik die Brüder Fernando (Jahrgang 2008) und Emilio Freitag (Jahrgang 2009, beide LG Decker Itter) an den Start. Ihre Mutter, die mehrfache Marathon-Staatsmeisterin und Berglauf-EM-Teilnehmerin Karin Freitag, wird ihnen besonders die Daumen drücken. „Im Team ist einiges an Talent vorhanden. Es geht darum, wichtige Erfahrungen beim ersten Antreten bei Europameisterschaften zu sammeln“, gibt Geisler den Youngsters mit auf den Weg.
EM in der Nachbarschaft
Kamnik ist in der Berglaufszene durch das jährliche Weltcuprennen bestens bekannt, die Uphill Bewerbe finden auf der Weltcupstrecke statt. „Das Hochplateau über Kamnik ist wunderschön. Durch die Nähe zu den südlichen Bundesländern hoffen wir auf zahlreiche Fans aus Österreich, die unsere Athletinnen und Athleten vom Streckenrand aus anfeuern“, so Geisler, der gemeinsam mit Schmuck und einigen Athleten vor wenigen Wochen die Strecken besichtigt hat.
Manuel Innerhofer war dabei: „Wir laufen großteils durch den Wald. Die Strecke ist technisch anspruchsvoll. Es gibt unzählige Wurzeln und Steine, über die man stabil und sicher drüber laufen muss.“ Der Salzburger war bereits Teil des rot-weiß-roten Aufgebots, als Kamnik 2017 schon einmal Ausrichter der Berglauf-Europameisterschaften war – damals stand im alten, jährlich alternierenden Format nur ein Uphill-Bewerb auf dem Programm.
Mit 593 nominierten Athletinnen und Athleten aus 33 europäischen Mitgliedsverbänden wird die dritte European Athletics Off-Road Running Championships die mit Abstand größte ihrer Art. An allen drei Wettkampftagen finden auch Bewerbe für Hobbyläufer*innen statt. Ab 2028, wenn der Schweizer Ort Villars-sur-Ollon Ausrichter sein wird, heißen die Titelkämpfe dann European Trail Running Championships.
Das Programm der Off-Road EM 2026
Donnerstag, 4. Juni um 18 Uhr: Eröffnungsfeier
Freitag, 5. Juni um 10 Uhr: Uphill Mountain Race, U20 Burschen (ca. 3,8 km, 423 Höhenmeter)
Freitag, 5. Juni um 10:30 Uhr: Uphill Mountain Race, U20 Mädchen (ca. 3,8 km, 423 Höhenmeter)
Freitag, 5. Juni um 10:30 Uhr: Uphill Mountain Race, Männer (ca. 8,9 km, 1.275 Höhenmeter)
Freitag, 5. Juni um 11:00 Uhr: Uphill Mountain Race, Frauen (ca. 8,9 km, 1.275 Höhenmeter)
Samstag, 6. Juni um 9 Uhr: Trail Race Männer & Frauen (ca. 52 km, 2.647 Höhenmeter)
Sonntag, 7. Juni um 9 Uhr: Up & Down Mountain Race, U20 Burschen (ca. 5,7 km, 370 Höhenmeter)
Sonntag, 7. Juni um 9:40 Uhr: Up & Down Mountain Race, U20 Mädchen (ca. 5,7 km, 370 Höhenmeter)
Sonntag, 7. Juni um 10:30 Uhr: Up & Down Mountain Race, Männer (ca. 13,1 km, 970 Höhenmeter)
Sonntag, 7. Juni um 12:15 Uhr: Up & Down Mountain Race, Frauen (ca. 13,1 km, 970 Höhenmeter)
Ein Livestream aller Wettkämpfe der Off-Road EM 2026 ist auf der Website von European Athletics verfügbar.
Website von European Athletics
Text- und Bildquelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband






