100 Tage im Amt: Lara van Dyck und Michael Fussenegger bringen spürbar frischen Wind ins heimische Kunstturnen. In ihrer neuen Rolle als Nationaltrainer*in haben sich beide bereits zurechtgefunden und in kurzer Zeit erste wichtige Impulse gesetzt.
„Ich liebe, was ich tue!“ – Mit diesem prägenden Satz beschreibt van Dyck ihre ersten Wochen in Österreich. Für viele kam ihre Bestellung zur Kunstturn-Nationaltrainerin vielleicht ein wenig überraschend. Zugegeben, auch für sie selbst. „Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, nun in Österreich zu arbeiten“, gesteht die Belgierin. „Aber ich bin überglücklich, hier zu sein. Gemeinsam mit den Athletinnen konnte ich schon einiges umsetzen, es ist richtig viel passiert. Das beginnt sich jetzt langsam auszuzahlen.“
Die Anfänge waren aber auch für eine erfahrene Trainerin wie van Dyck, die u.a. mit Olympiasiegerin Nina Derwael zusammengearbeitet hatte, keineswegs einfach. Neben dem Umzug und dem Kennenlernen der neuen Kultur wollte die 46-Jährige auf Anhieb ihre sportlichen Prinzipien einbringen. „Viele Dinge sind hier anders als ich es gewohnt bin – sowohl im privaten als auch sportlichen. Zu Beginn war es für alle nicht leicht, weil ich sehr anders arbeite“, erklärt van Dyck. Mittlerweile seien aber alle Athletinnen an Bord und ziehen in dieselbe Richtung.
Neue Trainingsphilosophie
Verändert hat sich unter van Dyck die Art und Weise des Trainings, im Wesentlichen in drei Punkten: Trainingsstruktur, Intensität und Eigenverantwortung. Im Fokus stehen laut der studierten Sportwissenschaftlerin eine bessere Balance zwischen Training und Erholung, was wiederum intensivere Belastungen ermöglicht. Zudem soll sich jede Athletin ihrer Aufgaben selbst bewusst sein. „Ich möchte, dass die Turnerinnen mehr Verantwortung für ihre eigene Karriere übernehmen. Ich bin keine Trainerin, die nur sagt, was zu tun ist. Es soll ein Austausch sein“, so van Dyck.
Auch wenn kurzfristig bereits Aufwind spürbar ist, liegen die großen Ziele in der Ferne. Über die Europa- und Weltmeisterschaften soll der eingeschlagene Weg bis nach Los Angeles führen. „Mein größter Traum ist es, dort mit einem Team Österreich anzutreten“, verrät van Dyck. Ihr Fokus liegt in der täglichen Arbeit nicht nur auf einzelnen Athletinnen wie Charlize Mörz oder Selina Kickinger, sondern auch auf aufstrebende Talenten. „Ich will ein Team aufbauen.“
Große Fußstapfen
Im Vergleich zu van Dyck kennt Fussenegger den heimischen Turnverband bereits in- und auswendig. Der ehemalige Spitzenturner, der selbst unter seinem Vorgänger Petr Koudela trainierte, folgt nun nach 19 Jahren auf genau jenen Mann, der das österreichische Männerturnen entscheidend geprägt hat. „Petr hat in Österreich sehr viel verändert. Ich kann nun auf einem sehr guten Niveau weiterarbeiten“, erklärt Fussenegger.
Seine ersten 100 Tage beschreibt der 32-Jährige als lehrreich und fordernd zugleich: „Es war interessant und doch anders als ich gedacht habe. Es gibt viele Dinge, auf die man achten muss.“ Vor allem der Perspektivwechsel habe ihn geprägt. Als Junioren-Cheftrainer war Fussenegger zuletzt maßgeblich an Nachwuchserfolgen beteiligt, nun will er diese Entwicklung auf die Elite übertragen.
„Wir haben aktuell ein junges Nationalteam, das sehr viel Potenzial für die Zukunft mitbringt. Wir wollen uns der Weltspitze annähern“, so Fussenegger. Das Hauptaugenmerk liege ebenso wie im Frauenteam nicht auf Einzelnen, sondern auf der Mannschaft. Bei der EM wird zunächst einmal die Qualifikation für die WM angestrebt. Darüber hinaus ist auch das größtmögliche Ziel bereits definiert: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen Los Angeles 2028. „Ich möchte mit möglichst vielen Athleten im Flieger nach LA sitzen“, blickt Fussenegger voraus.
Gemeinsame Ziele und gegenseitiger Respekt
Dieses Vorhaben eint ihn mit van Dyck, die er für eine „sehr gute Wahl“ hält. „Sie arbeitet sehr gewissenhaft und genau, das zeichnet sie aus. Die Turnerinnen kommen super mit ihr zurecht“, so Fussenegger. Ähnlich positiv der erste Eindruck van Dycks: „Michael ist ein absoluter Fachmann, so habe ich ihn kennengelernt.“ Beide verbindet nicht nur der Drang nach größtem Erfolg mit Österreich, sondern auch die Liebe zum Turnsport und ihrer neuen Aufgabe.
Text- und Bildquelle: Turnsport Austria






