Der Kärntner Heimo Fugger sorgte nach seinem Europameistertitel im Ausscheidungsrennen für eine weitere Medaille für Cycling Austria bei den Juniors- und U23-Europameisterschaften auf der Bahn im portugiesischen Anadia. Nach 100 äußerst spannenden Runden errang er im Punkterennen der Junioren die Silbermedaille. Raphael Kokas blieb im Omnium hinter den Erwartungen und wurde Achter. Leila Gschwentner zeigte im Omnium eine phasenweise starke Leistung, musste sich aber mit Rang elf begnügen. Sophie Walcher beendete das Punkterennen der Juniorinnen auf Platz zwölf.
Fugger ging mit hohen Ambitionen in das Punkterennen der Junioren. Als Titelverteidiger hatte er sich viel vorgenommen. Doch in der ersten Rennphase sah es nicht unbedingt nach einer Medaille aus. Nach einigen Rundengewinnen seiner Gegner, sah auch er sich gezwungen, nachzuziehen. Der 17-Jährige blieb ruhig und fand im Laufe der 25 Kilometer immer besser ins Rennen. Zwei Plusrunden sorgten dafür, dass er in den letzten Runden mit dem Deutschen Raul Esch und dem Italiener Julian Bortolami um die Medaillen kämpfte. Nur Mark Popov, der als neutraler Athlet an den Start ging, war an diesem Tag nicht zu schlagen.
„Gleich in den ersten Runden haben zwei Fahrer es geschafft eine Plusrunde zu fahren. Dann war es von mir eine Aufholjagd in Richtung Podium. Immer wieder konnte ich ohne großen Kraftaufwand Punkte sammeln. Beim finalen Sprint habe ich dann gewusst, dass ich vor dem Italiener sein muss“, fasste er sein Rennen zusammen.
In diesem letzten Sprint zur Linie holte Fugger noch zwei wichtige Zähler und konnte so seine zweite Medaille bei diesen Europameisterschaften gewinnen. Damit hat er persönlich auch mit der Ausbeute der letztjährigen Titelkämpfe in Cottbus gleichgezogen. Dort gewann er Silber im Ausscheidungsrennen und Gold im Punkterennen. Mit dieser Performance konnte er sich auch für das aus seiner Sicht enttäuschende Punkterennen im Omnium am Freitagabend rehabilitieren.
„Ich habe es heute geschafft, etwas geduldiger zu sein. Das war eine der Sachen, die ich gestern anders hätte machen können. Heute ist es einigermaßen gut aufgegangen und ich bin sehr happy mit der Silbernen“, zeigte er sich äußerst zufrieden mit seiner Leistung.
Raphael Kokas startete mit einem perfekten Scratch in seinen Omnium-Tag. Wenige Runden vor Schluss setzte der Wiener sich mit drei weiteren Kontrahenten vom Feld ab und durfte sich über Platz eins freuen.
„Das Scratch war mit Abstand das beste Rennen. Ich habe mich da richtig gut gefühlt und bin sehr positiv in das nächste Rennen hineingegangen“, erklärte der 20-Jährige. Die Freude währte allerdings nicht lange, denn mit einem zehnten Platz im Temporennen fiel er in der Gesamtwertung auf Rang vier ab. Die Ausgangsposition für die letzten beiden Aufgaben war allerdings noch durchaus gut. Das Ausscheidungsrennen sollte dann zum Knackpunkt für den Wiener werden. Er war in einer frühen Phase etwas unaufmerksam, positionierte sich schlecht und wurde damit bereits als sechster Fahrer eliminiert.
„Ich habe im Ausscheidungsrennen Fehler gemacht, die mir nicht einmal in der U15 passiert sind. Ich weiß nicht, wieso. Vielleicht habe ich mir im Vorfeld etwas zu viel Druck gemacht. Ich wollte hier unbedingt gut performen. Es hat dann aber einfach nicht funktioniert“, zeigt sich der Wiener sehr selbstkritisch.
Mit Rang neun in der Zwischenwertung und einem Abstand von 24 Punkten auf das Podium das Punkterennen zu einer schweren bis unlösbaren Aufgabe. Er zeigte noch einmal Moral und verbesserte sich mit einem guten Rennen auf die achte Position.
Gschwentner kratzt im Omnium an den Top zehn
Leila Gschwentner fuhr zu Beginn ein sehr gutes Omnium. Im Scratch wurde sie zunächst Zehnte, ehe sie im Temporennen aufdrehte. Mit einer Überraschungsattacke zu Beginn des Rennens konnte sie schnell einen Rundengewinn vorweisen. Die letzten Kilometer wurden eine zähe Angelegenheit, da sie meist alleine hinter einer großen Gruppe unterwegs war. Letztendlich stand aber ein hervorragender dritter Platz zu Buche. Zum Start der Abendsession musste auch sie im Ausscheidungsrennen bestehen. Eine Aufgabe die nur bedingt funktionierte. Mit einem zehnten Platz holte sie ein solides Ergebnis, allerdings wäre mit etwas mehr taktischer Finesse mehr möglich gewesen.
„Das Scratch war grundsolide. Im Temporennen habe ich früh etwas versucht. Das hat auch funktioniert. Danach habe ich einen kleinen taktischen Fehler gemacht und eine Lücke aufgerissen. Das hat einiges an Kraft gekostet. Auch im Ausscheidungsrennen habe ich die falsche Entscheidung getroffen“, schilderte sie ihre Eindrücke der Rennen.
Vor dem abschließenden Punkterennen rangierte sie aber mit Platz acht auf einer guten Position. In dieser Disziplin lief es dann aber nicht mehr ganz nach Wunsch. Zu viele Körner hatte sie bereits davor liegen gelassen. Am Ende schloss Gschwentner das Omnium auf dem elften Platz ab.
„Ich habe alles probiert. Ich war richtig am Ende und die anderen waren einfach zu stark. Alles in allem gab es positive und negative Aspekte an diesem Tag“, zeigte sie sich nicht ganz zufrieden.
Für Sophie Walcher lief es im Punkterennen der Juniorinnen erneut nicht ganz nach Wunsch. Mit einigen Blessuren nach ihrem gestrigen Sturz, zeigte sie trotzdem ihre Kämpfernatur. Mit einem zweiten Platz an einem der Zwischensprints holte sie drei Punkte, die sie am Ende auf einen den Umständen entsprechend guten zwölften Platz beförderten.
Am finalen Tag dieser Europameisterschaften steht für das österreichische Team noch ein Rennen an. Heimo Fugger und Raphael Kokas werden im Madison der U23 antreten. In so einem Rennen kann viel passieren, aber ohnedies kann zumindest der Kärntner Fugger schon sehr zufrieden mit diesen Titelkämpfen sein.
„Wir müssen sehen, was morgen möglich ist. Es ist mein allererstes Madison in der U23 auf diesem Level. Wir werden unser Bestes geben und vielleicht schaut da auch noch etwas heraus. Unabhängig davon waren es tolle Europameisterschaften hier in Anadia. Die Erwartungen wurden auf alle Fälle erfüllt, völlig egal, was morgen passiert“, meinte Fugger.
Text- und Bildquelle: ÖRV – Österreichischer Radsportverband





