EM Rom: Vorschau Teil 3 – Wurf, Mehrkampf, Hürden und Hindernis

Victoria Hudson (Geb.dat. 28.05.1996) – Speerwurf PB/SB 66,06m

Nach keinem einfachen Frühjahr mit Rückenproblemen kam für Victoria Hudson beim Austrian Top Meeting in Eisenstadt der Befreiungsschlag. Sie konnte ihre ausgezeichneten Trainingswerte im Wettkampf in einen sensationellen Wurf umsetzen und mit 66,06m deutlichen neuen ÖLV-Rekord aufstellen. Damit schob sich die Niederösterreicherin auch die Spitze der europäischen Jahresbestenliste und zählt nun in Rom zum engeren Favoritenkreis. Auch weltweit hat heuer erst eine Athletin weiter geworfen, die 28-Jährige ist also nach Rang 5 bei der WM 2023 in Budapest nun endgültig in der Weltklasse etabliert und zur Top-Riege der Speerwerferinnen hinzuzuzählen.

Ziel: „Ich werde die EM Schritt für Schritt angehen. 1. Schritt: das Finale erreichen, 2. Schritt: Top 8 und 3. Schritt: attackieren.“

Lukas Weißhaidinger (Geb.dat. 20.02.1992) – Diskuswurf PB 70,68m /SB 69,04m

Österreichs erfolgreichster Leichtathlet hat zwar bereits fünf Weltmeisterschaften bestritten, aber erst zwei Europameisterschaften. 2018 hatte Lukas Weißhaidinger eine Bronzemedaille zu bejubeln, 2022 in München war er nach Rang 9 mit sich selbst nicht zufrieden, kurz darauf konnte er sich beim Diamond-League-Finale aber mit Rang 2 belohnen. Letztes Jahr gelang dem WM-Dritten von 2019 nach kontinuierlichen Steigerungen auf Weltklasseniveau dann der ersehnte 70m-Wurf. Auch heuer ist das weltweite Niveau im Diskuswurf unglaublich hoch, mit seiner Bestweite von 69,04m liegt der 32-Jährige auf Rang neun der Welt-Jahresbestenliste, in Europa bedeutet das Position 4. Allerdings gelangen dem Oberösterreicher in den letzten Wochen nicht nur Ausreißer nach oben, sondern gleich viele Würfe mit großen Weiten, die neue Technik scheint also bereits gut zu sitzen. Eine Besonderheit wird es in Rom in dieser Disziplin geben, denn anders als sonst finden Qualifikation (Vormittag) und Finale (Abend) an einem Tag statt.

Ziel: „Ich fühle mich gut und weiß ich kann weit werfen, darum möchte ich auch in Rom vorne mitmischen. Aufgrund der technischen Umstellung sind es Kleinigkeiten, die entscheiden, ob der Wurf weit geht oder nicht. Da fehlt noch etwas die Sicherheit, aber ich bin froh diesen Schritt getan zu haben, weil wir das Potenzial auf jeden Fall sehen und ich Richtung Paris ja noch ein paar Wochen mehr Zeit habe. Wenn ich die Kleinigkeiten bei der EM richtig mache, dann wird’s richtig weit gehen. Ein wenig Überraschung was es werden wird ist also dabei, aber das nehme ich gerne in Kauf, weil damit einfach viel möglich ist. Ich freue mich schon sehr auf Freitag und fahre mit einer breiten Brust nach Rom.“

Verena Mayr (Geb.dat. 01.02.1995) – Siebenkampf PB 6.591 Pkt (2019) / SB 6.196 Pkt

Rang 5 bei der Hallen-WM 2024 in Glasgow, es war aus heimischer Leichtathletik-Sicht DAS Comeback des Winters, das Verena Mayr im Mehrkampf abgeliefert hat. Die Rückkehr auf die internationale Bühne war keine ausgemachte Sache, zu lange hielten die körperlichen Probleme der Oberösterreicherin in den letzten Jahren an. Ein Tapetenwechsel ins warme Nizza (FRA) war ein weiterer Puzzlestein in der erfolgreichen Rückkehr der ehemaligen WM-Dritten. Mit dem Staatsmeistertitel im Siebenkampf gelang jetzt die Qualifikation für die EM und höchstwahrscheinlich auch gleich für Paris 2024. Eine Erkrankung letzte Woche könnte der 29-Jährigen aber doch etwas Kraft für Rom gekostet haben.

Ziel: „Meine Ziele haben sich leider in den letzten Tagen etwas geändert, weil die Erkrankung mit Fieber, Muskelschmerzen und Husten sicher nicht optimal war. Jetzt bin ich seit Samstag wieder fieberfrei und fühle mich von Tag zu Tag besser und es gilt schnell wieder fit zu werden. Ich hoffe bis zum Wettkampf am Freitag wieder voll bei Kräften zu sein. Ich konnte meine bisherigen Ziele dieses Jahr mit der Hallen-WM und EM-Qualifikation ja schon erreichen, auch im Olympiaranking habe ich schon einen großen Schritt nach vorne gemacht. Der Aufbau hat also gut gepasst, aber ich muss einfach schauen was in Rom möglich ist.“

Isabel Posch (Geb.dat. 28.02.2000) – Siebenkampf, 4x100m

Seit letztem Jahr ist Isabel Posch als Startläuferin der Sprintstaffel gesetzt. Die Mehrkämpferin hat sich in den Sprintdisziplinen stark gesteigert und in der Halle heuer über 60m sogar den Vize-Staatsmeistertitel geholt. Durch ein sehr fragwürdiges Verhalten der französischen Teamführung, das ein Nachrücken der Vorarlbergerin ins EM-Starterfeld im Siebenkampf trotz freier Plätze vorerst verhinderte, durchlebte sie in den letzten Tagen ein Wechselbad der Gefühle. Erst am Montag kam für die 24-Jährige die erlösende Info, in Rom auch im Siebenkampf antreten zu dürfen. Der nächste Schritt in der Sportlerkarriere der Lustenauerin nach dem Sieg bei der Universiade 2023.

Isabel Posch: „Es war ein extremes Auf und Ab in den letzten Tagen. Ich war von Mittwoch bis Freitag sehr enttäuscht und habe auch wirklich schlecht geschlafen. Am Wochenende habe ich aber von so vielen Menschen sehr viel Rückhalt und Zuspruch bekommen, das hat mir sehr geholfen und mich gestärkt. Jetzt geht es mir natürlich umso besser. Auch das Training für den Mehrkampf hatten wir zuletzt fortgesetzt, weil ich ja nach der EM sowieso noch weitere Siebenkämpfe bestritten hätte. Jetzt will ich einmal die EM genießen und meine Energien ins Positive umwandeln. Einfach locker bleiben, das Beste geben und schauen was rauskommt.“

Karin Strametz (Geb.dat. 18.04.1998) – 100m Hürden PB/SB 12,92s – 4x100m

Welches Potential Karin Strametz über die 100m Hürden hat, konnte man in den letzten Jahren über die kürzere Hallen-Distanz sehen, wo sie jeweils bei EM und WM dabei war und tolle Ergebnisse erzielte. Die Freiluftsaisonen 2022 und 2023 waren für die Steirerin aber jeweils schon nach wenigen Wettkämpfen beendet, Stürze mit Verletzungen verursachten jedes Mal Zwangspausen und einen harten Weg zurück. Heuer läuft es aber wie am Schnürchen, bei all ihren neun Rennen blieb die 26-Jährige unter ihrer alten Bestleistung, nie war sie langsamer als 13,04s, ihre neue PB steht jetzt bei 12,92s. Wer weiß, vielleicht ist mit der Unterstützung des Publikums und motiviert durch die starke Konkurrenz beim EM-Debüt in Rom auch ein Angriff auf den ÖLV-Rekord von Beate Taylor (geb. Schrott) möglich, der seit 2012 bei 12,82s steht. Am vorletzten Tag der EM steht für die Leibnitzerin dann noch ein weiterer Einsatz auf dem Programm. Als Stamm-Mitglied der 4x-100m-Staffel wird sie auf Position 3 die zweite Kurve laufen.

Ziel: „Ich schaue wie schon bei der Hallen-WM in Glasgow auch jetzt wieder von Runde zu Runde. Zuerst konzentriere ich mich einmal auf den Vorlauf, damit ich gut in den Wettkampf reinkomme. Dort will ich auch gleich abliefern, damit es dann auch fürs Semifinale reicht. Wenn ich das schaffe will ich dort meine PB drücken, gerade bei einer EM könnte das möglich sein, weil ich bin gut in Form und gut vorbereitet. Ein Traum wäre natürlich das Finale, aber es wird sehr schwer werden.“

Enzo Diessl (Geb.dat. 06.06.2004) – 110m Hürden 13,40s PB/SB

Der junge Steirer feiert am Tag vor seinem ersten EM-Auftritt seinen 20. Geburtstag, ein großes Fest wird es aber erst nach der EM geben, gilt doch die ganze Konzentration dem erstmaligen Antreten im Konzert der Großen. Erst vor 10 Monaten hatte Enzo Diessl mit seinem Sieg bei der U20-EM seinen größten Erfolg gefeiert, nun gehört er nach nur wenigen Rennen über die Männerhürden von 106,7cm auch in der allgemeinen Klasse bereits zur erweiterten europäischen Spitze. Den ÖLV-U23-Rekord konnte Diessl gleich mehrfach verbessern, mit seinen 13,40s liegt er schon auf Platz 12 in der bereinigten Europarangliste, weitere Steigerungen bei der EM nicht ausgeschlossen.

Ziel: „Erstes Ziel ist es eine neue persönliche Bestleistung aufzustellen. Die letzten Rennen waren sehr konstant, vielleicht kann ich mich in Richtung 13,35 steigern. Das Semifinale scheint ebenfalls ein realistisches Ziel zu sein, das ich natürlich anstrebe.“

Leo Köhldorfer (Geb.dat. 29.04.2001) – 400m Hürden PB 50,52s (2023) / SB 50,56s

Auch für Leo Köhldorfer selbst kam die Qualifikation für die EM eher überraschend. Hatte er sich in den letzten beiden Jahren mit dem Ziel U23-EM doch eher auf den Sport konzentriert, so steht für ihn seit dem Herbst nun der Abschluss des Mechatronik-Studiums in Linz im Fokus. Die Trainingspläne bastelt sich der 23-Jährige nunmehr so gut wie möglich rund ums Studium herum selber, die Leistungen lagen 2024 aber in einem stabil hohen Bereich, was ihm jetzt auch das erstmalige Ticket zur EM sicherte. In Rom kann der Linzer nur überraschen, vielleicht gelingt unterstützt durch tolle Stimmung im Olympiastadion eine neue Bestleistung.

Ziel: „Vor zwei Jahren hat es mit der Quali für die EM ja knapp nicht geklappt, darum bin ich jetzt überglücklich diesmal dabei zu sein. Nachdem ich schon so knapp an meine PB herangekommen bin, möchte ich diese heuer noch verbessern, wenn möglich schon bei der EM.“

Lena Millonig (Geb.dat. 25.03.1998) – 3.000m Hindernis PB/SB 9:46,17 min

Vor rund elf Monaten ließ ein Sturz am Wassergraben den WM-Traum von Lena Millonig jäh platzen, die Saison 2023 war nach einer schweren Sprunggelenksverletzung vorbei. Der lange Weg zurück wurde von der Niederösterreicherin aber sehr sorgfältig geplant und vorsichtig absolviert, erst nach vollständiger Genesung wurde wieder belastet. Ein Weg, der sich ausgezahlt hat, qualifizierte sie sich doch jetzt nach 2022 erneut für eine EM. Ganz nebenbei holte sich die 26-Jährige vor wenigen Wochen mit einem tollen Rennen in Karlsruhe (GER) auch den ÖLV-Rekord über die 3.000m Hindernis, den Andrea Mayr mehr als 15 Jahre gehalten hatte. Ein lang gehegter Wunsch ging für Millonig damit in Erfüllung, vielleicht ist ja im Rahmen der EM eine weitere Steigerung möglich, die Form sollte jedenfalls passen.

Ziel: „Ich möchte im Vorlauf eine Top-Leistung abliefern und mein großes Ziel erreichen, nämlich ins Finale einzuziehen. Wenn ich dafür meine Bestleistung unterbieten muss, dann bin ich bereit dafür.“ 

Tobias Rattinger (Geb.dat. 24.11.1997) – 3.000m Hindernis PB/SB 8:26,17min

Als Muster an kontinuierlicher Weiterentwicklung und Beharrlichkeit kann Tobias Rattinger gesehen werden. 2019 war er bei der U23-EM über 3.000m Hindernis dabei gewesen, dann folgten neben dem mittlerweile fast abgeschlossenen Medizinstudium jährliche Steigerungen über seine Spezialstrecke. Aber erst heuer, bedingt durch die volle Konzentration auf den Sport, kann der Oberösterreicher die Früchte seiner Hartnäckigkeit ernten. Gleich mehrere Rennen auf hohem Niveau katapultierten ihn ins EM-Starterfeld, wo der EM-Debütant aber sicher in einer Außenseiterrolle antreten wird. Der 26-Jährige kann also nur überraschen, das Selbstvertrauen sollte nach seinem bereits zweiten Titel bei den Balkan-Championships letzte Woche jedenfalls groß sein.

Ziel: „Es ist für mich schon ein großer Erfolg in Rom mit dabei zu sein. Ich freue mich schon sehr auf den Lauf und auf das EM-Flair. Ich hatte bei den Balkan-Meisterschaften ein Rennen mit einem schnellen letzten Kilometer, das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, weil so ähnlich wird es auch im Vorlauf werden. Ich konnte auch danach noch gut trainieren und bin überzeugt die Form passt. Ein Finaleinzug wäre natürlich eine Sensation, rechnen kann man nicht damit, aber ich will mir die Chance geben, mich bestmöglich zu platzieren. Wenn ich dort voll abliefern kann, dann kann alles passieren.“

Lena Pressler fällt mit Verletzung aus

Vor wenigen Tagen verspürte Lena Pressler  (Union St.Pölten) Schmerzen im linken Fuß. Sie ließ diese Probleme medizinisch abklären und bekam die unerfreuliche Nachricht, dass es sich um ein Knochenmarksödem handelt. Somit musste die 23-Jährige schweren Herzens ihren geplanten Start über 400m Hürden bei der EM absagen.

 

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Text- und Bildquelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband

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