„EM-Fluch“ hält an: Keine Finaleinzüge im Vorstieg

Österreichs Kletter-Asse haben bei der Europameisterschaft in Laval (FRA) im Vorstieg den Finaleinzug verpasst. Jakob Schuberts „EM-Fluch“ hält an, ein Ausrutscher kostete ihm einen möglichen Platz im Finale. Bei den Damen konnte Jessica Pilz nicht an ihre starken Leistungen aus der Qualifikation anschließen.

Mit großen Erwartungen ging Schubert in die Europameisterschaft. Der zweifache Olympia-Bronzene hatte sich den ersten Europameistertitel in seiner Paradedisziplin zum Ziel genommen, zumindest eine Medaille. Doch daraus wurde nichts. Im Semifinale rutschte der Innsbrucker bei einer für ihn unscheinbaren Stelle mit dem Fuß ab und landete mit 19 Griffen am Ende des Halbfinal-Feldes (24.).

„Ich habe langsam das Gefühl, dass bei Europameisterschaften wirklich ein Fluch auf mir lastet. Abgesehen von der Goldmedaille in der Kombination in München 2022 ist es nie wirklich gut gelaufen, weit schlechter als bei Weltmeisterschaften. Eigentlich habe ich mich wirklich gut vorbereitet und auch so gefühlt“, so Schubert.

Das Halbfinale war wesentlich schneller vorbei als gedacht. „Ich bin mit dem Fuß auf die glatte Stelle vom Griff gekommen. Es ist etwas Pech, allzu viel kann ich mir nicht vorwerfen. Ich hätte es solider lösen müssen, die Gefahr habe ich nicht gesehen. Zum Klettern bin ich kaum gekommen, was schade ist – die Route hätte cool ausgesehen.“

Am langfristigen Ziel Olympische Spiele Los Angeles 2028 ändert die verpatzte EM nichts. „Meine Wettkampfsaison 2026 ist damit beendet, wenn auch nicht mit dem gewünschten Abschluss. Es ist frustrierend, vor allem, weil mir beim letzten Weltcup in Chamonix auch ein Fehler unterlaufen ist. Ich muss analysieren, ob es einen Grund dafür gibt. Jetzt will ich aber abschalten und mich auf meine Felsprojekte konzentrieren.“

Besser ging es EM-Debütant Christian Leitner. Der 17-jährige Grazer belegte mit 23+ Griffen Rang zwölf. „Es war richtig cool, hier an den Start gehen zu dürfen, und mit dem Ergebnis kann ich unter den Umständen auf jeden Fall zufrieden sein. In der Qualifikation war ich körperlich nicht ganz so fit wie sonst und natürlich auch ziemlich nervös. Im Semifinale ist es dann deutlich besser gelaufen. Leider habe ich bei dem Zug, bei dem ich schließlich gefallen bin, keinen Hook gesetzt, obwohl das eigentlich der Plan gewesen wäre. Das ist etwas bitter, weil ich mich zu diesem Zeitpunkt noch sehr frisch gefühlt habe und sicher noch mehr möglich gewesen wäre. Trotzdem möchte ich mich über das Ergebnis keinesfalls beschweren. Der gesamte Wettkampf war eine super Erfahrung – auch wenn die Routen teilweise durchaus speziell und eigen waren.“

Felix Mader, der dritte KVÖ-Athlet im Herren-Halbfinale, landete mit 19+ Griffen auf Position 23.

Pilz verpasst Finale

Bei den Damen ruhten die rot-weiß-roten Hoffnungen auf Jessica Pilz. Mit dem zweiten Platz in der Qualifikation hatte sie ihre Medaillenambitionen untermauert, doch auch sie verpasste den Finaleinzug der Top-8. Nach 24 Griffen war im Semifinale Endstation, Platz 19 lautet das Ergebnis.

„Ich habe gerade gar nicht so richtig die Worte dafür. In der Iso hatte ich ziemlich mit Schulterschmerzen zu kämpfen, und die lange Wartezeit hat mir zusätzlich etwas die Geduld geraubt. Das konnte ich in der Route leider nicht komplett ausblenden und bin dadurch ziemlich gestresst geklettert. Am Ende war ich etwas zu hastig und habe den entscheidenden Zug nicht sauber genug vorbereitet“, so die Olympia-Bronzemedaillengewinnerin von Paris. „Es lag also weniger am Klettern selbst, sondern eher an meinem Mindset – ich war einfach zu ungeduldig.“

Mattea Pötzi belegte mit 29+ Griffen Rang 18. „Ich habe mich auf diesen Wettkampf gefreut. Die letzten Trainings waren gut, die Quali ebenfalls. Im Semi bin ich von Beginn an nicht hineingekommen und so ineffizient geklettert, dass es bei der Hälfte mit der Kraft vorbei war. Es ist enttäuschend, dass es im Halbfinale wieder einmal nicht gepasst hat.“

„Es ist einfach nicht gelaufen. Unser Team hätte Potenzial für Medaillen gehabt und jetzt stehen wir ohne Finaleinzug da. Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall Christian Leitner, der aufgezeigt hat. Insgesamt müssen wir jetzt einen Reset machen und uns auf die nächsten Weltcups vorbereiten, es warten in dieser Saison noch einige Bewerbe und dort wollen wir wieder angreifen“, bilanziert KVÖ-Nationalcoach Fabian Leu.

 

Text- und Bildquelle: Kletterverband Österreich

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner