Dlauhy und Posch mit EM-Limits und Rekorden über 400m-Hürden und 100m beim Liese Prokop Memorial

Anja Dlauhy pulverisiert 400m-Hürden-Rekord erneut und läuft zur EM, Posch macht es ihr über 100m nach

Die 400m Hürden der Frauen waren vor wenigen Wochen schon Gesprächsthema, als Anja Dlauhy (ULC Riverside Mödling) den ÖLV-Rekord auf 55,82s verbesserte sich damit in eine Außenseiterposition im Kampf um ein EM-Ticket brachte. Diese Überlegungen sind seit heute aber obsolet, denn die Niederösterreicherin stürmte mit sensationellen 54,80s um die mit 10 Hürden gespickte Stadionrunde. Nach hartem Fight mit Vorjahressiegerin Sara Mato (HUN) konnte die Jus-Studentin diese auf den letzten Metern noch abfangen und unterbot mit dieser grandiosen abermaligen Steigerung die EM-Norm von 55,30s deutlich. In Europa liegt die 23-Jährige damit auf dem großartigen Rang 4, sie ist auch bereits die siebente ÖLV-Athlet/in mit dem direkten Limit für Birmingham.

Lena Pressler (Union St.Pölten), die sich erst vor wenigen Tagen auf 55,87s gesteigert hat, kam heute mit 56,66s auf Rang 6. Den Sieg vor Anja Dlauhy sicherte sich überraschend die Siegerin des B-Laufes, Sofia Lavreshina (POR) steigerte sich mit 54,48s um mehr als zwei Sekunden und schaffte so die Sensation.

Anja Dlauhy: „Diese Zeit hätte ich niemals erwartet. Ich habe noch nicht ganz realisiert, was da heute passiert ist. Es fühlt sich unbeschreiblich an. Es waren heute perfekte Bedingungen, warm, windstill und ein starkes Feld, besser kann es nicht sein. Die erste Rennhälfte war ca. gleich wie bei meinem Rekord vor drei Wochen, hinten raus hat sich der Lauf dann heute aber viel besser angefühlt. Ich wollte an der Ungarin dranbleiben und konnte bis ins Ziel mit Druck laufen. Das direkte EM-Limit und die 54er-Zeit sind natürlich der Wahnsinn.“

Schon in den Vorläufen über 100m der Frauen setzte U23-Europameisterin Karolina Manasova (CZE) eine Duftmarke, als sie mit 11,08s (0,6) nicht nur die EM-Norm von 11,18s deutlich knackte, sondern auch einen neuen tschechischen Rekord aufstellte. Österreichs schnellste Frauen Isabel Posch (TS Lustenau) mit 11,41s (0,0) und Magdalena Lindner (Union St.Pölten) mit 11,43s (-0,5) konnten sich ebenso mühelos für das Finale qualifizieren. Dort war die Tschechin dann mit sensationellen 11,01s (0,9) knapp vor Rebekka Haase (GER) mit 11,04s (PB) wiederum die Schnellste, die beiden Österreicherinnen standen diesen Leistungen aber um fast nichts nach. Isabel Posch stürmte mit großartigen 11,10s nicht nur zum direkten EM-Limit Nummer 8 für den ÖLV (11,18s), die 26-jährige Vorarlbergerin verbesserte als Dritte auch den von Karin Mayr-Krifka seit 2003 mit 11,15s gehaltenen Rekord um gleich 5/100s. Auch Magdalena Lindner lief als Vierte die schnellste Zeit ihrer Karriere, die 26-jährige Niederösterreicherin schob sich mit 11,28s auf Rang 4 in der ewigen ÖLV-Alltime-List nach vorne.

Isabel Posch: „Ich kanns gar nicht glauben, mit der Zeit hätte ich heute sicher nicht gerechnet. Hier zu laufen ist mega cool, die Stimmung ist sehr gut, die Bahn ist schnell, es macht voll Spaß. Rebekka neben mir hat mich super gezogen, da habe ich mich festgebissen, die wollte ich nicht weglassen. Das hat heute super funktioniert, es war ein Wahnsinns-Rennen, auch wenn mein Lauf am Ende sicher nicht schön ausgeschaut hat. Mit der EM habe ich natürlich schon spekuliert, ich habe mir aber gar keinen Druck gemacht und wollte bei jedem Rennen immer nur das Beste geben.“

Magdalena Lindner: „Ich bin super happy. Schon der Vorlauf war sehr gut, obwohl noch nicht mit letzter Konsequenz. Im Finale habe ich dann versucht ebenfalls locker zu bleiben, das ist mir heute sehr gut gelungen. Es gibt sicher trotz der PB noch Verbesserungspotential, die letzte Spritzigkeit fehlt hinten raus auch noch. Für die Staffel sind unsere PBs natürlich ein gutes Zeichen, wir sind alle sehr gut in Form.“

Strohmayer-Dangl schrammt am 400m-Hürden-Rekord vorbei, Weißhaidinger setzt Siegesserie fort

Österreichs bester 400m-Hürden-Läufer Niklas Strohmayer-Dangl (LT Bgld Eisenstadt) bestritt nach mehreren wochenlangen Trainingscamps heute sein erstes Saisonrennen. Und der Aufbau dürfte perfekt gepasst haben, denn der Burgenländer zeigte vom Start bis ins Ziel ein makelloses Rennen ohne ersichtliche Schwächen. Die Uhr blieb dann bei starken 49,43s stehen, was für den 24-Jährigen eine Steigerung der persönlichen Bestleistung um gleich 31/100s bedeutete. Neben einem neuen BLV-Rekord ist diese Zeit auch die zweitschnellste jemals von einem ÖLV-Athleten erzielte Zeit, nur Thomas Futterknecht war 1985 mit 49,33s noch um 1/10s schneller gewesen. Für Strohmayer-Dangl scheint jetzt auch das EM-Limit von 49,00s nicht mehr außer Reichweite. Rang 2 ging mit deutlichem Abstand an den LPM-Sieger 2025 Diogo Barrigana (POR), der 49,97s benötigte. Als zweitbester heimischer Athlet brachte Leo Köhldorfer (ULC Linz) eine Zeit von 51,17s und Rang 8 ins Ziel.

Niklas Strohmayer-Dangl: „Wenn man mit Bestleistung einsteigt ist das gerade vor Heimpublikum etwas ganz Besonderes und freut mich sehr. Den Rekord habe ich zwar knapp verpasst, aber der wird im Laufe des Jahres schon noch fallen. Es ist heute alles aufgegangen, keine Fehler, ich bin super happy. Ich freue mich schon auf die nächsten Starts und will mich weiter steigern.“

Mit dem bereits sechsten Sieg in Folge beim Liese Prokop Memorial in St.Pölten setzte Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger (ÖTB-OÖ LA) heute seine beeindruckende Serie fort. Der Vize-Europameister hatte im Mai mit bereits sechs Wettkämpfen ein dichtes Programm bestritten und kam mit starken 67,00m im Gepäck nach Niederösterreich. Der Wettkampf in St.Pölten glich einem Steigerungslauf für den Oberösterreicher, denn er steigerte sich von Runde 1 bis 4 mit jedem Wurf. Mit erzielten 63,68m schaffte der 34-Jährige dann auch den Siegeswurf und stand damit zum dritten Mal in dieser Saison ganz oben auf dem Podest. Marius Karges (GER), der auf der „Segelwiese“ in Ramona (USA) bereits 69,47m erzielt hatte, zeigte als Zweiter mit 62,79m, dass man auf die dort erzielten Ergebnisse nicht allzu viel geben sollte. Will Dibo (SKV Feuerwehr Wien) kam mit 56,66m auf Rang 5, womit der 24-Jährige Wiener nicht ganz zufrieden war. Stark präsentierte sich Mehrkämpfer Matthias Lasch (TGW Zehnkampf-Union), der in Vorbereitung auf seinen ersten Zehnkampf der Saison mit neuer PB auf 46,66m kam.

Lukas Weißhaidinger: „Ich bin sehr zufrieden, die Technik war sehr in Ordnung. Natürlich hätte ich gerne noch etwas draufgelegt, aber es ist hier nicht ganz einfach. Der Wind hilft hier fast nie mit und der Kreis könnte auch etwas schneller sein. In Richtung EM gibt es noch einige Dinge, die wir besser machen können, da beginnt jetzt bald das gezielte Training und die EM-Form wird sicher bald kommen.“

Diessl und Bredlinger siegen wieder, Strametz und Fuchs mit Steigerungen

In den letzten beiden Jahren hatte 110m-Hürdensprinter Enzo Diessl (SU Leibnitz) das LPM jeweils gewonnen, auch heuer zählte er zum engeren Favoritenkreis. Und schon im Vorlauf konnte der Steirer mit einem starken Finish und 13,38s (-0,5) die schnellste Zeit aller Teilnehmer erzielen. Im Finale kam der 21-Jährige nicht perfekt aus den Blöcken und lag zunächst nicht in Front. Erst auf den letzten beiden Hürden kam der Olympiateilnehmer wieder stark auf und konnte noch an Elie Bacari (BEL) vorbeiziehen und sich mit 13,40s (-0,6) Sieg Nummer 3 sichern.

Enzo Diessl: „Ich bin glücklich, dass ich zwei gute Läufe habe abrufen können. Das Ziel ist die Form erst Richtung EM aufzubauen, daher bin ich mit den Zeiten bei leichtem Gegenwind zufrieden. Es gibt definitiv noch Punkte, an denen wir arbeiten müssen, damit dann eine ganz schnelle zeit rausschaut. Aber ein Heimsieg ist immer sehr cool.“

Ein schnelles Rennen in Richtung EM-Limit von 1:59,80min hätte Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) über die 800m gerne gehabt. Die 25-Jährige hatte hinter der Tempomacherin eine 400m-Durchgangszeit von 59 Sekunden, wahrscheinlich etwas zu langsam für dieses Vorhaben. Nach 550m übernahm die WM-Teilnehmerin die Führung, musste sich aber auf der Zielgerade gegen Trainingspartnerin Nina Vucovic (CRO) zu Wehr setzen. Beide überquerten schließlich die Ziellinie mit 2:01,41min, nach Zielfotoentscheid konnte sich die Burgenländerin mit gerade einmal 3/1000s Vorsprung den Sieg sichern.

Caroline Bredlinger: „Die Zeit ist nicht die allerbeste, aber ich fühle mich jetzt wieder deutlich besser beim Rennen als in der Hallensaison. Von dem her bin ich zufrieden und ich weiß, dass ich mehr draufhabe. Ein Heimsieg ist ja auch immer etwas Besonderes.“

Karin Strametz (SU Leibnitz) konnte heute ihren sensationellen Auftritt vom letzten Jahr nicht wiederholen, als sie mit 12,81s neuen ÖLV-Rekord über die 100m Hürden aufgestellt hatte. Im Vorlauf bei leichtem Gegenwind von -0,5 m/s kam die Steirerin auf 13,09s, womit sie sich aber locker fürs Finale qualifizierte. Die 28-Jährige konnte sich im Endlauf dann auf eine neue Saisonbestleistung von 13,05s (-0,5) steigern und landete damit auf Rang 6, denn die Dichte an der Spitze in diesem Bewerb war heuer enorm. Ex-Vizeweltmeisterin Britany Anderson (JAM) musste sich so auch mit 12,79s mit Rang 2 begnügen, denn den Sieg holte sich doch etwas überraschend Nika Glojnaric (SLO) mit PB und EM-Limit von 12,76s.

Karin Strametz: „Mit einer SB kann ich ganz zufrieden sein, ich bin noch nicht in Top-Form, aber es geht in die richtige Richtung. Ich brauche immer ein paar mehr Rennen, heuer war es für mich halt sehr früh in der Saison. Der Fokus liegt ja auf der EM im August, das Gefühl über die Hürden wird mir den Wettkämpfen auch wieder kommen.“

Über 100m der Männer gewann zuerst Lukas Pullnig (KLC) mit 10,46s (-0,5) den 1. Vorlauf, Markus Fuchs (Union St.Pölten) war in Heat 3 mit 10,34s (0,4) ebenfalls der Schnellste, beide hatten damit im Finale einen weiteren Auftritt. Dort konnte sich dann Elliot Jones (GBR) mit starken 10,09s (-0,3) den Meeting-Sieg holen, dahinter kam es zu einem hauchdünnen österreichischen Duell. Rekordhalter Fuchs hatte am Ende mit 10,32s (SB) um 1/100s die Nase vor seinem Konkurrenten aus Kärnten, der mit 10,33s ebenfalls Saisonbestleistung lief.

Auch zwei 100m-Nachwuchs-Rekorde gab es zu vermelden. Im Vorlauf verbesserte Marco Glinz (UVB Purgstall), seinen eigenen ÖLV-U18-Rekord von 10,66s auf starke 10,49s (0,4), damit blieb er auch nur um 1/100s über dem ÖLV-U20-Rekord. Mit dieser Zeit liegt der junge Niederösterreicher auch auf Platz 5 in der europäischen U18-Top-List und kann sich so Chancen auf eine Top-Platzierung bei der U18-EM in Rieti (ITA) im Juli ausrechnen. Den angesprochenen U20-Rekord steigerte dann im B-Finale Felix Krifka (SVS LA) auf 10,47s (0,5) und unterbot damit auch die geforderte Norm für die U20-WM in Eugene (USA) im August, die bei 10,50s steht.

Markus Fuchs: „Es war endlich wieder einmal ein leichter Wettkampf für mich. Ich konnte mich schon lange nicht so gut aufs Laufen konzentrieren und konnte richtig frei Laufen heute. Natürlich gibt es noch verschiedenen Schwächen und ich schaffe es noch nicht die Rennen zusammen zu fügen. Aber es gibt mir viel Mut und ich möchte mich jetzt ganz in Ruhe mit jedem Rennen steigern und mir keinen Druck machen.

Lukas Pullnig: „Vom Kopf her war das das einer meiner besten Läufe. Technisch kann man sicher noch was verbessern. Mit meinen ersten beiden Saisonrennen habe ich etwas gehadert, aber heute das war eine Top-Leistung, es geht bergauf.“

Der Weitsprung der Frauen wurde Beute von Iryna Budzynska (UKR), die einen Weite von 6,66m (0,0) in die Sandkiste setzte. Beste Österreicherin wurde wieder Lokalmatadorin Moyo Bardi (Union St.Pölten), die nach zwei ungültigen Versuchen zu Beginn Nervenstärke zeigte und ihre PB auf 6,23m steigerte und damit Platz 3 belegte. Im Dreisprung der Männer gab es durch Cristian Napoles (CUB) einen Favoritensieg mit 16,52m (1,0), Necati Er (TUR) lag mit 16,36m (1,1) nicht weit dahinter.

Im Speerwurf der Frauenfiel ebenfalls das EM-Limit von 60,80m, Nikol Tabackova (CZE) übertraf dieses mit der Siegesweite von 61,44m klar. Mehrkampf-Ass Ivona Glavas-Dadic (Union St.Pölten) ist im Aufbau für ihren ersten Siebenkampf der Saison, sie schaffte heute als Siebente 45,34m. Und Leonie Zoe Haller (ULC Riverside Mödling), eine der weltbesten U20-Athletinnen der Welt, kam als Sechste auf 51,47m. Über die 800m Männer war heute Jakob Dudycha (CZE) mit 1:45,82min der Schnellste, Lokalmatador Niklas Kainrath (Union St.Pölten) konnte seine PB mit Platz 4 auf 1:48,60min verbessern.

TGW Zehnkampf-Union gewinnt bei Premiere der 4x400m-Mixed-Staffel

Erstmals wurden heute Staatsmeisterschaften in der 4x400m-Mixed-Staffel ausgetragen, und die Läufe brachten die erwartet spannenden Rennen. Neun Staffeln waren im Kampf um Gold, Silber und Bronze angetreten und es entwickelte sich ein Fernduell in den beiden Zeitläufen. In Lauf 1 legte die TGW Zehnkampf-Union mit Alexander Heinz, Franziska Pichler, Samuel Lengauer und Sarah Lagger eine Zeit von 3:33,41min vor, die es nun zu unterbieten galt. In Lauf 2 bemühte sich der KLC in der Besetzung Michael Moritz, Maja Kropiunik, Simon Schretter und Ina Slamanig redlich, blieb aber mit 3:33,77 min knapp über der Marke der Oberösterreicher und musste sich so mit Rang 2 begnügen. Den letzten Podestplatz sicherte sich ULC Linz Oberbank mit einer Zeit von 3:35,76min.

Ergebnisse (Meeting)

Ergebnisse (ÖM 4x400m Staffel)

Homepage

Livestream ab 14:25 (nach der Veranstaltung jederzeit On-Demand abrufbar)

TV-Beiträge vom Meeting werden am Sonntag, 7.6. um 08:45 auf ORF 1 in der Sendung Sportbild und am Mittwoch, 10.6. um 19:00 auf ORF Sport+ gesendet.

 

Text- und Bildquelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband | Alfred Nevsimal

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