„Alles ist möglich“: Mörz träumt von historischer EM-Medaille

Mit neu gewonnenem Selbstvertrauen und in bestechender Form reist Charlize Mörz zu der am Donnerstag beginnenden 36. Kunstturn-Europameisterschaft in Zagreb (13.-16. August). Nach einer optimalen Vorbereitung und den jüngsten Leistungssprüngen unter Neo-Nationaltrainerin Lara van Dyck scheint für Österreichs derzeit beste Turnerin bei ihrer fünften EM mehr erreichbar denn je: „Ich fühle mich aktuell einfach sehr gut. Wenn an den Wettkampftagen alles zusammenpasst, ist alles möglich.“

Gelingt der ganz große Coup, wäre dies jedenfalls historisch: Noch nie gewannen Österreichs Frauen eine EM-Medaille. Neben Mörz werden in der über 15.000 Fans fassenden Arena Zagreb für Turnsport Austria auch Leni Bohle, Bianca Frysak, Rosa Schwaninger und Katrin Palicka auf die Jagd nach Spitzenergebnissen gehen. Ein Ziel eint alle fünf Athletinnen. „Wir wollen als Team unter die besten 13 Nationen Europas kommen und uns damit für die Weltmeisterschaft im Oktober qualifizieren“, erklärt Nationaltrainerin van Dyck. Dieses Unterfangen wurde im Vorjahr mit Rang 14 trotz Punkterekord knapp verpasst, zuvor aber dreimal in Folge geschafft.

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Das gesamte Team bereitete sich zuletzt drei Wochen gemeinsam am Bundesstützpunkt in Linz vor. „Wir haben intensiv an kleinen Details gearbeitet. Ich bin wirklich glücklich mit der aktuellen Form. Wir sind bereit für die EM“, sagt van Dyck.

Ein Sprung ins Glück?

Im Einzel ruhen die größten Hoffnungen auf Mörz. Die 20-jährige Burgenländerin rechnet sich vor allem am Sprung Chancen auf eine absolute Topplatzierung aus. Im Oktober des Vorjahres gelang ihr auf ihrem Paradegerät mit WM-Rang sieben der weltweite Durchbruch, seither wurden Technik, Ausführung und Präzision nochmals intensiviert. „Ich habe im letzten halben Jahr einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Die Sprünge sind jetzt sauberer und noch viel höher, die Qualität eine bessere“, erklärt Mörz. Auch im Wettkampf ist der Aufwärtstrend sichtbar: Im April sprang sie beim Weltcup in Osijek zu Bronze, beim 4-Nationen-Länderkampf in Wien knackte sie erstmals die 50-Punkte-Marke im Mehrkampf.

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Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hat für Mörz die Zusammenarbeit mit van Dyck. „Charlize befindet sich in einer tollen Verfassung. Sie glaubt nun auch selbst daran, wie gut sie ist und kann auch unter Druck performen. Ich traue ihr bei der EM vieles zu“, sagt die Belgierin.

Neben dem Sprung zählt Mörz auch am Boden seit Jahren zur europäischen Spitze. An jenem Gerät feierte sie 2024 ihren ersten von bisher zwei Weltcupsiegen und kürte sich zudem zur Gesamtweltcupsiegerin. Der Grat zwischen einem verpassten Finale und einer Spitzenplatzierung sei am Boden jedoch besonders schmal. „Die Konkurrenz ist extrem stark. Du darfst dir oft nicht den kleinsten Fehler erlauben, da muss alles perfekt sein“, weiß Mörz, die in Zagreb den gesamten Mehrkampf turnen wird.

Kickinger fehlt verletzungsbedingt

Selbiges gilt auch für Leni Bohle. Die amtierende Staatsmeisterin stand im Vorjahr gemeinsam mit der nun verletzten Selina Kickinger im Mehrkampffinale der EM und wurde 21. „Ich möchte meine Übungen sauber durchturnen und auf allen Geräten eine konstant gute Leistung zeigen. Dann bin ich zuversichtlich, dass ich noch besser performen und abschneiden kann als letztes Jahr“, blickt Bohle voraus.

Einen Rückschlag für Turnsport Austria stellt der Ausfall von Kickinger dar. Die Allrounderin zog sich in einem Testwettkampf einen zweifachen Bänderriss im linken Sprunggelenk sowie ein ausgeprägtes Knochenmarksödem zu und fällt für die kontinentalen Titelkämpfe aus. „Ich bin natürlich sehr enttäuscht, das Timing könnte kaum schlechter sein. Aber ich werde, wie ich es schon öfters bewiesen habe, stärker zurückkommen“, sagt Kickinger.

Anstelle der Niederösterreicherin rückte Ersatzathletin Katrin Palicka ins Team. Die 22-Jährige feiert in Zagreb ebenso wie die um fünf Jahre jüngere Rosa Schwaninger ihr EM-Debüt. „Es kribbelt schon gewaltig. Wir freuen uns riesig, Österreich auf dieser Bühne vertreten zu dürfen“, sagen die Debütantinnen unisono. Reichlich Erfahrung bringt indes Bianca Frysak ins Team. Für die 27-jährige Wienerin ist es bereits die sechste EM-Teilnahme.

Viertägige Turn-Show

Auch bei den Juniorinnen ist Turnsport Austria mit einem fünfköpfigen Team am Start. Larissa Szanwald, Maria Strigl, Jana Dina Beck, Helene Richter und Lea Walli werden Österreich bei den kontinentalen Titelkämpfen vertreten und wertvolle internationale Erfahrung auf höchstem Niveau sammeln.

Der Startschuss für die Europameisterschaft fällt am Donnerstag mit der Qualifikation der Frauen. Am Samstag stehen die Gerätfinals auf dem Programm, ehe am Sonntag im Team-Finale die Medaillen vergeben werden. Die Juniorinnen starten am Freitag mit Qualifikation und Team-Finale in die Titelkämpfe, ihre Gerätfinals folgen am Sonntag. Damit ist in der Arena Zagreb alles angerichtet für vier Tage Kunstturnen auf höchstem Niveau.

 

Text- und Bildquelle: Turnsport Austria

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