Gold, Silber, Bronze: Trude Kolars WM-Triumph bleibt seit 76 Jahren unerreicht

Drei Medaillen bei einer Weltmeisterschaft, darunter Österreichs bis heute einziger WM-Titel im Kunstturnen: Was Gertrude „Trude“ Kolar (später Gollner) 1950 in Basel gelang, ist auch 76 Jahre später unerreicht. Die gebürtige Grazerin, die im Jänner ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, schrieb mit Gold an den Schaukelringen, Silber am Sprung und Bronze im Mehrkampf österreichische Sportgeschichte. In der heimischen Turnszene hinterließ die 2014 verstorbene Ausnahmeathletin ein Vermächtnis, das bis heute seinesgleichen sucht.

Basel, Juli 1950. Die erste Kunstturn-Weltmeisterschaft nach dem Zweiten Weltkrieg bringt die internationale Turnelite in die Schweiz. Unter den Teilnehmerinnen befindet sich auch eine 24-jährige Steirerin, die bereits zwei Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen in London mit Platz sechs im Team internationale Aufmerksamkeit erregte: Gertrude Kolar. Was sie in Basel erreichen wird, ahnt zu diesem Zeitpunkt wohl niemand.

Drei Medaillen für die Ewigkeit

Den größten Erfolg ihrer Karriere feiert Kolar an einem Gerät, das aus heutiger Sicht eine Besonderheit darstellt: den Schaukelringen. Bei der WM 1950 dürfen die Turnerinnen zwischen den Schaukelringen, bei denen die Turnerinnen an frei schwingenden Ringen ihre Übungen mit Schwungbewegungen und akrobatischen Elementen absolvierten, und dem Stufenbarren wählen.

Lediglich zwei Nationen entscheiden sich für die Schaukelringe: Österreich und Schweden. Kolar überzeugt mit einer herausragenden Darbietung und erhält 24.000 Punkte. Ex aequo mit der Schwedin Ann-Sofi Pettersson gewinnt sie Gold in der gemeinsamen Gerätewertung. Doch damit nicht genug. Auch am Sprung zählt die Österreicherin zur absoluten Weltspitze. Mit 23.466 Punkten muss sie sich lediglich der Polin Helena Rakoczy geschlagen geben, die mit 23.566 Punkten Gold gewinnt. Der Lohn: Silber für Kolar, die damit bereits ihre zweite Medaille in Basel in Händen hält.

Der dritte Streich folgt im Mehrkampf. Mit 91.000 Punkten belegt die Steirerin hinter Rakoczy und Pettersson den dritten Platz und komplettiert ihren außergewöhnlichen Medaillensatz. Gold, Silber und Bronze bei ein und derselben Weltmeisterschaft. Eine Bilanz, für die rot-weiß-rote Ewigkeit.

Weltmeisterin ohne Nachfolgerin

Kolars Goldmedaille birgt zudem eine historische Besonderheit. Die Schaukelringe verschwinden nach der WM 1950 aus dem Programm der Frauen und kehren nie wieder zurück. Die Grazerin bleibt damit bis heute amtierende Weltmeisterin an diesem Gerät.

Der Triumph von Basel ist der Höhepunkt einer erfolgreichen Karriere. Schon 1948 gehört Kolar zum österreichischen Aufgebot bei den Olympischen Spielen in London, wo die Mannschaft den sechsten Platz erreicht. Vier Jahre später vertritt sie Österreich erneut bei den Spielen in Helsinki. Dort belegt das rot-weiß-rote Team Rang zehn. Auch auf nationaler Ebene prägt die Grazerin den Turnsport ihrer Zeit. Insgesamt gewinnt sie 19 österreichische Meistertitel.

Ein Vermächtnis, das bleibt

Gertrude Kolar, die später den Familiennamen Gollner trägt, stirbt am 22. Dezember 2014 nach langer schwerer Krankheit im Alter von 88 Jahren in Berlin. Am 23. Jänner 2026 wäre Kolar 100 Jahre alt geworden. Ihr größter sportlicher Erfolg liegt mittlerweile 76 Jahre zurück, doch ihre drei Medaillen von Basel sind weiterhin die einzigen, die Österreich bei einer Kunstturn-Weltmeisterschaft gewinnen konnte.

 

Text- und Bildquelle: Turnsport Austria

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