Jacobs fliegt über die Laufbahn, Lindner, Weißhaidinger und Gruber holen Heimsiege
Die 100m der Männer versprachen ein Spektakel und die Top-Stars lieferten ab. Schon in den drei Vorläufen blieben gleich vier Athleten unter der 10-Sekunden-Schallmauer, auch wenn in allen Heats der Rückenwind etwas über den für Rekorde erlaubten 2,0 m/s lag. Im Finale blies er sogar mit 4,1 m/s, was die Sprinter richtig über die Bahn fliegen ließ. Bei 9,67s blieb die Uhr für Lamont Marcell Jacobs (ITA) stehen, der Doppel-Olympiasieger von Tokio über 100m und die 4x100m lief damit die zweitschnellste jemals gelaufene Zeit, schneller war nur Usain Bolt bei seinem Weltrekord mit 9,58s. Mit ihm am Podest standen Romell Glave (GBR) mit 9,76s und 400m-Weltrekordler Wayde van Niekerk (RSA) mit 9,83s, Österreichs Rekordhalter Markus Fuchs (Union St.Pölten) zeigte mit Rang 6 und 10,09s heute ebenfalls eine starke Leistung.
Marcel Jacobs: „Ich habe gehört die Bahn hier in Eisenstadt ist schnell, jetzt haben ich selber bewiesen, dass sie eine der schnellsten der Welt ist. Mein Ziel ist heuer zum dritten Mal in Serie Europameister zu werden, die Form stimmt und ich bin auf einem guten Weg. Es hat riesig Spaß gemacht hier zu laufen, ich komme sicher wieder. Danke ans Publikum, ihr wart toll.“
Markus Fuchs: „Ich habe den Start super erwischt und auch den Mittelteil endlich einmal gut hinbekommen Da hat der Wind sicher geholfen. Auch hinten raus habe ich es geschafft den Oberkörper vorne zu behalten, ein starkes Rennen heute. Jetzt bin ich überzeugt diese Zeiten auch ohne Wind bald laufen zu können, ich muss nur geduldig sein.“
Das Nationenduell Österreich gegen Deutschland über die 100m der Frauen ging heute klar an die rot-weiß-rote Fraktion. War in den Vorläufen noch die Staffel-Olympia-Dritte Rebekka Haase (GER) mit 11,11s (2,2) die Schnellste, drehten Österreichs Sprintspezialistinnen im Finale den Spieß um. Zwar verhinderte der Rückenwind mit 3,7 m/s einen neuen Rekord, dennoch sind die 11,06s von Magdalena Lindner (Union St. Pölten) und die 11,08s von Christania Williams (Union St. Pölten) auf den Rängen 1 und 2 aller Ehren wert. Vor allem bringen sie den beiden viele wichtige Punkte im Rennen um einen Startplatz bei der EM in Birmingham im August. Haase wurde mit 11,14s Dritte, Neo-Rekordhalterin Isabel Posch (TS Lustenau) landete mit 11,22s auf Rang 4.
Magdalena Lindner: „Ich bin heute hier hergefahren mit dem Vorsatz zu gewinnen und ich habe alles hineingeworfen und es geschafft, das ist großartig. Damit habe ich auch zum ersten Mal ein Silber-Meeting gewonnen, ich bin mehr als happy. Es waren heute zwei meiner besten Rennen, das gibt viel Selbstvertrauen.“
Diskus-Vizeeuropameister Lukas Weißhaidinger (ÖTB-OÖ LA) konnte sich auf seiner ehemaligen Rekord-Wiese zum fünften Mal die Sieger-Krone abholen. Die Bedingungen waren heute aber alles andere als optimal, zeitweise orkanartiger Seitenwind verwehte die Disken oftmals. Trotzdem kamen für den Oberösterreicher, der heute sogar mit langer Hose antrat, großartige 66,11m in die Wertung, er hatte dem Publikum wie jedes Jahr eine Show geliefert.
Lukas Weißhaidinger: „Es war echt nicht leicht heute dieses schmale Fenster zu treffen, wo der Wind den Diskus nicht runterdrückt. Aber es waren viele gute Würfe dabei und mir war auch wichtig die gute Trainingsform jetzt auch im Wettkampf umsetzen zu können. Eisenstadt ist ja ein ganz besonderer Boden für mich, hier werfe ich sehr gerne und bin ja auch noch ungeschlagen.“
Im Hürdensprint über 110m der Männer lautete das Duell „Titelverteidiger“ Enzo Diessl (SU Leibnitz) gegen Afrikameister Antonio Alkana (RSA). Im Vorlauf legte der U23-Europameister mit 13,23s bei etwas zu viel Rückenwind von 3,0 m/s mit der schnellsten Zeit einmal vor. Im Finale hatte der Südafrikaner aber die besseren Karten, war mit 13,15s zu 13,20s bei 2,5 m/s Rückenwind der Schnellere und entriss dem Steirer die zum Greifen nahe Siegerkrone.
Antonio Alkana: „Es ist eine meiner Lieblingsbahnen hier, es ist sehr schön jetzt gewonnen zu haben.“
Enzo Diessl: „Es war echt schwer heute, weil ich vom Rückenwind in die Hürden hineingetrieben wurde. Daran muss ich technisch definitiv noch arbeiten, weil es kann auch bei der EM so sein. Aber die Form stimmt, für diese Verhältnisse waren die Läufe und die Zeiten sehr gut, ich bin ganz zufrieden wie es gerade läuft.“
Bei den Frauen über die 100m Hürden fehlte Österreichs Rekordhalterin Karin Strametz (SU Leibnitz) krankheitsbedingt. Auch hier war der Wind im Finale mit 3,0 m/s etwas zu stark, aber die Favoritinnen aus Jamaika setzten sich trotzdem durch. Megan Simmonds (JAM), Olympia-Dritte und Diamond-League-Siegerin von Rom war heute mit 12,51s die Beste, Ex-Vizeweltmeisterin Britany Anderson (JAM) mit 12,54s nicht viel langsamer. Schnellste Österreicherin auf Platz 6 war Iman Roka (ATSV OMV Auersthal – Athletics 22), sie schaffte im Finale 13,37s. Im Vorlauf war die Niederösterreicherin mit 13,51s (2,0) schon neue PB gelaufen.
Megan Simmonds: „Es war ein spannendes Rennen mit Britany, aber ich konnte mich zum Glück durchsetzen. Bei meiner geringen Größe hilft mir der starke Rückenwind sogar. Und in Österreich laufe ich einfach gerne, es ist ja durch meinen langen Aufenthalt in St.Pölten so etwas wie eine zweite Heimat geworden.“
Iman Roka: „Die PB ist schon cool, aber die Zeit im Finale zeigt mir, dass ich solche Zeiten drauf habe, auch wenn etwas zu viel Wind war.“
Der Stabhochsprung der Männer begann wetterbedingt mit mehr als einer Stunde Verspätung und litt ebenfalls unter dem starken Wind, der den Springern das Leben schwer machte. Österreichs Beitrag in dieser Disziplin, Riccardo Klotz (ATSV Innsbruck), kam mit den Bedingungen nicht wirklich zurecht und musste nach übersprungenen 5,05m bereits die Segel streichen. Den Sieg holte sich dann Favorit Vizeweltmeister Ernest Obiena (PHI) mit übersprungenen 5,75m
Im Frauen-Stabhochsprung feierte Lisa Gruber (LAC BMD Amateure Steyr) bei ihrem Saisondebüt mit 4,00m einen Heimsieg. Und das obwohl die U23-EM-Finalistin nur aus kurzem Anlauf sprang und der Bewerb wegen der Gewitter mehrfach unterbrochen werden musste, jedenfalls eine gute Vorstellung der jungen Oberösterreicherin.
Die 200m der Männer gewann etwas überraschend Joshua Hartmann (GER) mit 20,33s (3,3) vor Vizeeuropameister Filippo Tortu (ITA) mit 20,68s, Weltmeister Nethaneel Mitchell-Blake (GBR) blieb mit 20,75s nur Vierter. Bei den Frauen über dieselbe Distanz
lag Valentina Cavalleri (ITA) mit erzielten 23,87s (4,1) knapp vor den beiden Österreicherinnen Viktoria Willhuber (SU Leibnitz) mit 23,97s (3,5) und Christiane Krifka (SVS-Leichtathletik) mit 24,11s (2,1).
Den Speerwurf der Frauen konnte sich Martina Pisova (CZE) mit 54,43m sichern. Über die 800m siegte Jachym Kaplan (CZE) in einer Zeit von 1:56,00min.
Weltbestleistung über die Racewalk-Meile
Das Racewalking brachte absolute Hochspannung, sollte doch ein Angriff auf die Weltbestmarke im Bahngehen über die Meile stattfinden, die seit 1990 bei 6:16.72min stand. Lyudmila Olyanovska (UKR), die aktuelle Inhaberin der Weltbestleistung im 5.000m-Bahngehen, ließ von Beginn an keinen Zweifel aufkommen, diese Marke unterbieten zu können. Im Ziel blieb die Zeit bei 6:10,09min stehen, eine deutliche neue Weltbestleistung. Eine sehr starke Leistung brachte auf Rang 2 Österreichs EM-Kandidatin im Halbmarathon-Gehen Theresia Emma Mohr (TS Egg), die mit einem großartigen Finish auf 6:21,85min kam, schneller war noch nie eine U23-Athletin auf dieser Distanz.
Lyudmila Olyanovska: „Der Wetterumschwung war perfekt für mich, ich gehe viel lieber im Regen als bei der Hitze der vergangenen Tage. Ich habe mit einem neuen Rekord spekuliert und bin sehr froh diese Zeit gegangen zu sein.“
Links
ORF Liveübertragung ab 19:00 Uhr (nach der Veranstaltung jederzeit on demand abrufbar)
Livestream ab 16:50 Uhr (englisch kommentiert, nach der Veranstaltung jederzeit on demand abrufbar)
Ein TV-Beitrag vom Meeting wird am Sonntag, 5.Juli um 10:10 Uhr auf ORF 1 in der Sendung Sport-Bild gezeigt.
Text- und Bildquelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband | @amri.sports






