Max Kühner schrieb sich am Sonntagnachmittag in die Geschichtsbücher ein, als er als erster österreichischer Athlet überhaupt den Sieg bei einer Qualifikation zum Longines FEI Jumping World Cup™ beim traditionsreichen London International Horse Show errang. Gemeinsam mit seinem zwölfjährigen Irish-Sport-Horse-Wallach EIC Cooley Jump the Q zeigte Kühner eine sensationelle Runde im Stechen und stoppte die Zeit bei 33,94 Sekunden. Damit sicherte er sich einen Meilenstein für sich selbst und für Österreich – in einem wahrlich hochklassigen Starterfeld.
Nur fünf der insgesamt 37 gestarteten Paare konnten alle Aufgaben lösen, die Parcoursdesigner Alan Wade (IRL) mit seinem 14 Hindernisse umfassenden Kurs gestellt hatte. Eine Serie scheinbar unnachgiebiger Distanzen, die sich durch die Excel Arena in London schlängelte, verlangte höchste Präzision, Kraft und Vorsicht gleichermaßen. Doch Wade machte keine Zugeständnisse: Die enge erlaubte Zeit erforderte exakte Planung, vorausschauendes Reiten und messerscharfe Konzentration von der ersten bis zur letzten Sekunde. Wer auch nur einen Moment zögerte, riskierte einen Zeitfehler; wer hingegen zugunsten der Geschwindigkeit die Genauigkeit vernachlässigte und eine Ecke zu direkt anritt, wurde häufig mit einer gefallenen Stange bestraft.
Weitere fünf Reiterpaare blieben zwar fehlerfrei am Sprung, scheiterten jedoch an der Zeit – darunter auch der dreifache Olympiasieger und London-World-Cup-Sieger von 2023, Ben Maher. Dass dennoch insgesamt elf weitere Paare mit nur einem Abwurf ins Ziel kamen, unterstreicht die große Kunst eines Parcoursdesigns, das Spitzenathleten fordert, ohne ihre Pferde mit unfairen Fragen zu bestrafen.
Für das Gastgeberland eröffnete Donald Whitaker das Stechen mit seiner bewährten Partnerin Millfield Colette, einer zwölfjährigen britisch gezogenen Stute, mit der er bereits Mannschaftssilber bei den Europameisterschaften im Longines FEI Jumping European Team gewonnen hatte. Whitaker erklärte im Interview nach dem ersten Umlauf, sein Plan für das Stechen sei gewesen, „voll anzugreifen“. Genau das tat er auch – mit einer Begeisterung, die die auffällige Schimmelstute Schritt für Schritt mitging und für die er ihr attestierte, „immer mit ganzem Herzen dabei zu sein“.
Trotz einer ungünstigen Startposition im Stechen hielten die beiden enge Linien und einen makellosen Rhythmus und setzten eine extrem starke Richtzeit. In Kombination mit der natürlichen Grundschnelligkeit der Stute wirkte es früh, als sei der Sieg bereits entschieden. Die Excel Arena hielt den Atem an – in der Hoffnung auf einen Heimsieg. Doch Max Kühner hatte andere Pläne. Bestärkt durch das Gefühl, das ihm der hochsensible EIC Cooley Jump the Q bereits im ersten Umlauf gegeben hatte, war er entschlossen, die Topform und Kooperationsbereitschaft seines Pferdes voll auszunutzen.
Text- und Bildquelle: Österreichischer Pferdesportverband





